6 Tücken eines bibliophilen Lebens, mit denen du nicht gerechnet hast

Ich weiß – wir haben schon über 7 Momente, in denen ich mir wünsche, ich würde nicht 99% meiner Zeit mit Büchern verbringen gesprochen. Und über 6 Existenzkrisen, denen man als Leser nicht aus dem Weg gehen kann. Aber gerade, wenn man denkt, dass man den Durchblick hat … dann kommt der nächste Moment, in dem man sich eingestehen muss, dass das nicht der Fall ist. Deshalb erinnere ich euch heute an sechs unerwartete Tücken, die dieses bibliophile Leben mit sich bringt.

1. Die Versuchung ist ÜBERALL

Im Ernst jetzt. Ich bin jemand, der nicht wirklich viele Kindheitserinnerungen hat, aber ich erinnere mich zumindest noch vage daran, dass ich entweder die Bücher gekauft habe, die halt gerade in der Buchhandlung waren, oder eine halbe Tonne aus der Bücherei ausgeliehen habe.
Heutzutage sind zwei Dinge anders: Ich bin genug in der Bücherwelt involviert, dass ich weiß, welche Bücher wann erscheinen oder gerade diskutiert werden oder einfach empfohlen werden. Und DAS INTERNET EXISTIERT. Mich hält nichts davon ab, einen Mitternachtseinkauf mit sieben Büchern bei Medimops zu tätigen. Oder dieses Hardcover-Schnäppchen bei Amazon auszunutzen. Natürlich gehe ich lieber in der Buchhandlung einkaufen oder bestelle mir meine Bücher dahin. Aber ich habe nicht immer die Selbstbeherrschung. Oder nehme mir die Minute, um noch einmal über die Bestellung nachzudenken. Und wenn das Hardcover eben keine zehn Euro kostet, kann ich nicht nein sagen, okay? OKAY???
Das ist noch nicht alles. Gerade in den letzten Jahren haben sich in mir Versuchungen eingestellt, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie besitzen werde. (Ja, lacht nur. Ich finde die Zweideutigkeit dieses Satzes auch ganz herrlich, hallo zukünftiger Arbeitsgeber, warte, als Germanistikstudentin wird man nur Taxifahrerin.) Ich meine so Dinge wie … Sonderausgaben. Sammlereditionen. Das Taschenbuch, das zwei Euro mehr kostet, aber einfach das hübschere Cover hat. Oder dieses Buch, das man in mehreren Sprachen besitzt.
Meine Mutter (die hier mitliest – hallo, Mama!) versteht das Ganze nicht, und vermutlich hätte ich das vor ein paar Jahren selbst noch schräg gefunden. Aber irgendwie ist zu dieser Bücherinhaltsliebe (aus Ermangelung eines besseren Wortes) noch eine ästhetische hinzugekommen. Und das wäre auch alles nicht so schlimm, wenn es da nicht diesen zuckenden, auf Bestellen klickenden Zeigefinger und ein nicht-voller-Geld-Bankkonto geben würde.

2. Bücher, die dir das Herz brechen

Zuerst einmal:

Ich erzähle das eigentlich nicht so gerne, aber das erste Buch, bei dem ich jemals geweint habe, war der zweite Twilight-Band, weil eine gewisse Trennung vonstatten geht. Das ist doppelt bitter, weil ich damals vielleicht zehn war und darüber hinaus jetzt keine sonderlich hohe Meinung mehr von den Büchern habe. Worauf ich allerdings hinauswill: Dieses emotionale Trauma, das mir damals widerfahren ist, ist nichts zu dem, das mir in den darauffolgenden Jahren begegnete. Ich wusste gar nicht, dass Bücher so sehr wehtun können, okay?!
Da muss ich an Crooked Kingdom denken. An Blood for Blood. An Empire of Storms, das bewiesen hat, dass es noch schlimmere Dinge als den Tod eines Charakters gibt. Oder zuletzt Hero at the Fall, bei dem ich eine halbe Packung Taschentücher vollgeheult und gehofft habe, dass die Nachbarn im Studentenwohnheim nicht denken, mir würde gerade sonstwas passieren. Ja, äh … aua. Wer kompensiert mich jetzt für all den Herzschmerz?

3. Unbequeme Lesepositionen

Das ist doppelt ironisch, weil sich mein Kater auf meinen Schoß gelegt hat, jetzt mein Laptop neben mir auf der Bettdecke liegt und ich mich über meinen Kater beugen und verrenken muss, um tippen zu können. Mein Rücken protestiert jetzt schon.
Wie auch immer – dasselbe gilt für’s Lesen. Entweder man schaut die ganze Zeit nach unten und kassiert eine Portion Nackenschmerzen. Oder das Hardcover ist unmöglich schwer, sodass man es beim Lesen irgendwo ablegen muss. Und selbst wenn man nach einer halben Stunde Bemühungen endlich die perfekte Position hat, schläft der Fuß ein. Oder der Hintern.
Vor allem ist das so … unfair? Ich meine, ich bilde mich. Ich starre nicht stumpf auf einen Bildschirm oder so, sondern hab eine verflucht gute Zeit, aber NEIN, mein Körper betrügt mich?!

(Update: Bin fest überzeugt, dass Tiger lesen kann. Er hat sich jetzt dezidiert neben mich gelegt, aber dafür noch ordentlich auf meine Hose gesabbert.)

4. Die Hinterhältigkeit von eBooks

Okay, die unter euch, die keine eBooks lesen, können sich entspannen. Ihr habt immerhin ein Problem weniger!
Ich hatte das erst wirklich auf dem Schirm, als ich mir meinen eReader angeschafft habe. Das erste Buch, das ich darauf las, hatte 99 Cent gekostet, also quasi nichts. Und ich stolperte immer öfter über derartige Angebote – und dachte mir, ach, wenigstens liegen sie nicht herum. Und, ach, das wollte ich schon immer mal lesen.
Natürlich können eBooks nicht verstauben. Aber sie lauern immer noch auf meinem Kindle. Gucken mich klagend an, wenn sie einen neuen Mitbewohner kriegen. Verurteilen mich still und heimlich, gerade, weil sie unsichtbar sind. Mein normaler SuB füllt wenigstens ein Regal, nimmt Platz ein. Aber dieser hier … der erwischt mich hin und wieder eiskalt mit seinen Vorwürfen.

5. Die verräterischen Augäpfel

Davon habt ihr bestimmt schon mal gelesen. Dass die Augen bis zum Kapitelende zucken. Oder vielleicht ist euch auch schon mal passiert, dass ihr bis ans Ende des Buches geblättert und die letzte Zeile gelesen habt. (Wenn ihr so etwas absichtlich macht … dann … dann weiß ich auch nicht.) UND ES IST SO GEMEIN. Ich meine, natürlich will ich wissen, was passiert – aber bitte erst, wenn ich auch dort ankomme! Warum könnt ihr Augen nicht auf der Seite bleiben, auf der ich mich gerade befinde?!
Ich bin übrigens mittlerweile dazu übergegangen, letzte Seiten mit meiner Hand drauf zu lesen. Ich decke nach und nach jede Reihe auf, was möglicherweise daran liegt, dass ich sehr, sehr hohe Anforderungen an letzte Sätze stelle und auf keinen Fall den Satz lesen will, bevor ich die davor gelesen habe. Ich weiß, ich bin komisch. Aber meine Augen sind noch viel komischer, ja?

6. Gedächtnisprobleme

Dazu eine Anekdote. Okay, gefühlt besteht dieser Post bereits zu 99% aus Anekdoten, aber eine muss noch sein??

Also: Ich habe heute Morgen über diesen Post nachgedacht und überlegt, welche Aspekte ich ansprechen will. Ich habe sogar ein kleines Notizbuch, in dem ich mir grobe Stichpunkte notiere. Jetzt sitze ich also an meinem Schreibtisch, frühstücke und denke über den Beitrag nach. Und denke mir, Ah, ich könnte über Gedächtnisprobleme schreiben! Schaue das Notizbuch – das wohlgemerkt NEBEN MIR LIEGT – an und denke mir, ach, alle anderen fünf Punkte habe ich mir aufgeschrieben, den letzten werde ich mir wohl merken können.
Dreimal dürft ihr raten, was ich vergessen habe. Fluchend saß ich also eine Viertelstunde da und habe mein Gehirn auseinandergepflückt, bis es mir, halleluja, wieder eingefallen ist. Aber Faulheit und Gedächtnisprobleme zusammen … sind verflucht gefährlich, Kinder der Sonne.
Aber wir reden ja über Bücher. Denn auch da vergesse ich verflucht viel. Ich weiß nicht, ob das schlichtweg an der Menge liegt, die ich lese, oder daran, dass ich nicht gründlich genug lese … oder vielleicht an meinem Gehirn, das nachts ganz oft die Delete-Taste drückt. Hinterhältiges Ding, dieses Hirn. Aber auf jeden Fall ist das so tückisch! Ich lese mir nichts dir nichts einen ersten Band und der zweite kommt ein Jahr später raus und ich weiß … nichts mehr?? Vielleicht noch den Namen der Protagonistin? Oder ein, zwei Dinge, die im ersten Buch passiert sind?
Okay, mein Gedächtnisverlust ist nicht immer so drastisch. Und ich bin grundsätzlich bereit, Bücher ein zweites Mal zu lesen. Aber was ist mit den Büchern, die ich okay fand, aber nicht überragend? Die will ich nicht noch mal lesen. Auch wenn ich die Reihe vielleicht weiterverfolgen möchte … und dann befinde ich mich in diesem verfluchten Dilemma, ob ich darauf hoffe, IRGENDWAS zu verstehen, oder versuche, mir die Informationen irgendwo zusammenzuklauben (es gibt tatsächlich eine Seite namens Book Series Recaps) oder … oder ich schiebe das Buch immer weiter auf, bis ich tatsächlich nichts mehr weiß. Und dann diese unvollendete Reihe in meinem Regel steht und mich vorwurfsvoll anstarrt.
Dabei hat doch mein Gehirn MICH betrogen und nicht umgekehrt.
Das war eure tägliche Portion Ich-schreie-über-die-Ungerechtigkeiten-des-bibliophilen-Lebens. Kennt ihr denn noch weitere Tücken? Oder könnt ihr etwas hier so richtig nachempfinden? (Hoffentlich??)

7 comments / Add your comment below

  1. Bei 1. kommt mir zu Gute, dass unsere Bibliothek was YA und Fantasyneuerscheinungen betrifft, erstaunlich aktuell ist, allerdings kann ich 6. nur unterschreiben.
    An Charaktere und die Haupthandlung kann ich mich meistens ganz gut erinnern, aber dafür vergesse ich das Ende – die Handlung des letzen Drittels ist dann irgendwo verschollen.

  2. Ich bin ganz froh, wenn ich Teile der Handlung wieder vergesse, sonst lohnt das re-read fast nicht und auch sonst finde ich mich in alle Punkten wieder. Man kann nie zu vile Bücher haben

  3. Ich musste bei dem Punkt mit deiner Mama ein bisschen schmunzeln. Meine versteht das mit den mehreren Ausgaben und Jubiläumseditionen nämlich auch überhaupt nicht.
    Brauche ich wirklich vier verschiedene Versionen von Harry Potter und drei von City of Bones? Vermutlich nicht.
    But here we are.

    Aber auch alle anderen Punkte… ich will gar nicht wissen, wie viele Tränen ich schon wegen Büchern vergossen habe oder wie oft ich meine Augäpfel oder mein Gedächtnis verflucht habe.

    Umso schöner ist es da natürlich zu wissen, dass man nicht alleine ist!

    Liebe Grüße
    Aileen ♥

  4. Ich sehe schon, unsere Mütter würden sich gut verstehen 😀 Aber hey, Harry Potter und City of Bones sind so was von essentiell. (Und haben unverschämt schöne Jubiläumseditionen. Die von CoB wird auf kurz oder lang auch noch bei mir einziehen müssen …)

    Und jetzt ist mir natürlich High School Musical in den Sinn gekommen: We're all in this together 😂🙌

    Alles Liebe
    Isabella

  5. Ganz schrecklich. Vor allem das Gedächtnisproblem kenne ich gut (die anderen Punkte kann ich gar nicht kommentieren, weil ich die Hälfte schon nicht mehr weiß). Wenn ich eine Rezension schreibe, muss ich ganz oft noch mal nachschauen, wie die Charaktere noch mal hießen und wenn ich dann Jahre später beim Folgeband bin, ist längst alles verloren.

  6. Hey!
    Ein super cooler Beitrag!
    Ich kann deinen Punkten zustimmen, mir geht es oft ähnlich.
    Und ich würde behaupten, wir Büchermenschen sind die Menschen mit dem größten Repertoire skurrilster Liege-/Sitzpositionen 😀
    Vergesslich bin ich leider auch sehr, oft merke ich mir nicht mal die Namen (die vergesse ich oft auch beim Lesen schon wieder). Wenn die Bücher aber mega mega gut waren behalte ich hingegen einiges im Kopf.

    Liebe Grüße,
    Nicci

  7. Hi!

    Ich musste gerade so lachen, dass ich fast meinen Tee über den Bildschirm verteilt hätte! Du sprichst mir aus der Seele! Vor allem mit den unbequemen Lesepositionen. Das ist wirklich gemein!
    Aber auch alles andere kann ich absolut nachvollziehen und habe bei jedem Punkt einfach genickt und herzhaft gelacht.
    Danke <3

    Liebste Grüße,
    Wiebi

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