4 Dinge, die ich in Jugendbüchern nicht mehr lesen kann

Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Aber in letzter Zeit hat sich meine Sichtweise auf diverse Aspekte in Jugendbüchern so sehr verändert, dass ich immer öfter und immer schneller genervt bin – mir fallen Dinge auf, die ich früher einfach so hingenommen habe. Hier also vier Klischees, die mich in letzter Zeit ganz besonders wahnsinnig gemacht haben:

Die „beste Freundin“

Spoiler: Sie ist gar keine beste Freundin.
Grundsätzlich ist sie aber hübscher als die Protagonistin, die neben ihr geradezu verblasst, und vor allem kriegt sie bisher aaaalleeee Typen ab, bis man fast schon den Eindruck bekommt, der Autor/die Autorin möchte sie schlichtweg als Schlampe abstempeln.
Unterstützt wird der Eindruck dadurch, dass die „beste Freundin“ keinen eigenen Charakter hat. Sie ist einfach da, und taucht grundsätzlich nur auf, wenn es keine anderen Mittel mehr gibt, um den Plot voranzutreiben. Vor allem ist sie die Erste, die verschwindet, wenn der mysteriöse Typ auftaucht.
Wird voll erfüllt in Nur ein Tag von Gayle Forman.
Wer ausnahmsweise mal über eine gesunde Freundschaft lesen will, dem kann ich nur Schwestern der Wahrheit von Susan Dennard ans Herz legen.

Der Auserwählte

Er hat ein Sixpack (denn wer will sich schon an einen weichen Oberkörper lehnen), ist mindestens dreißig Zentimeter größer als die Protagonistin und hat ein sehr mysteriöses Geheimnis.
Vor allem aber haben wir keine Ahnung, warum er der Auserwählte ist. Ach ja, wegen dem Plot. Es ist ja schön und gut, dass er ganz nett aussieht und einfach p-e-r-f-e-k-t ist. Aber Spaß beiseite, warum genau ist er in einer Beziehung mit der Protagonistin? Was mag er an ihr? Was mag sie an ihm, ganz abgesehen von den großen, starken Händen und der mysteriösen Aura? Was bringt die Beziehung den beiden? Warum sollte ich die Beziehung der beiden gutheißen?
Genau. Bei dem Auserwählten gibt es keine Antwort auf all die Fragen. Er ist eben einfach heiß.
Wird voll erfüllt bei Über mir der Himmel von Jandy Nelson.
Eine gesunde Liebesbeziehung findet ihr unter anderem in Cinder von Marissa Meyer (und in den Folgebänden Scarlet, Cress, Winter).

Die überflüssige Liebesbeziehung

Das ist etwas, das mir vor allem in letzter Zeit verstärkt aufgefallen ist. Wir haben alles: Tolle Charaktere, einen tollen Plot, einen tollen Schreibstil. Das Buch neigt sich der Zielgeraden und – was ist das? – aus heiterem Himmel taucht eine Liebesgeschichte auf. Die der Geschichte überhaupt nichts Gutes tut. Sie ist einfach nur da, weil welches Buch kann heutzutage noch ohne einen romantischen Aspekt auskommen? Wie soll es sich verkaufen?
Mit dem Auserwählten und der „besten Freundin“ kann ich wenigstens von Anfang an rechnen. Die überflüssige Liebesbeziehung taucht aber dann auf, wenn eigentlich alles gut ist, und zerstört sämtliche schöne Erinnerungen an das Buch binnen Sekunden.
Besonders übel in Holding up the Universe von Jennifer Niven, aber auch echt nervig in Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children von Ransom Riggs.
Victoria Schwab beweist, dass Bücher auch ohne Liebesgeschichte grandios sein können – zum Beispiel in A Darker Shade of Magic oder in This Savage Song.

Der belesene Protagonist

Dieser Fall hier ist nicht ganz so schlimm wie die drei oberen, aber ich verdrehe trotzdem jedes Mal die Augen, wenn mir einer über den Weg läuft.
Der belesene Protagonist hat ein mindestens einhundert Jahre altes Lieblingsbuch in fünf Ausgaben und vor allem kann er es von der ersten bis zur letzten Seite rezitieren. (Im Idealfall findet er noch eine/n Auserwählte/n, der dasselbe antike Lieblingsbuch hat!) So grundsätzlich hat er sich durch die halbe Weltliteratur des 19. Jahrhunderts gelesen und würde am liebsten den ganzen Tag von Sturmhöhe schwärmen.
Leute, ich sage nichts gegen diese Bücher. Und wenn das eure Lieblingsbücher sind, dann ist das schön.
Aber jetzt mal ganz im Ernst: Ein Großteil der Jugendlichen heutzutage liest vielleicht eine Handvoll Bücher im Jahr – wenn’s hochkommt. Und selbst die, die lesen (da zähle ich mich dazu), wühlen zumindest in ihrer Jugend nicht in anspruchsvollster Literatur, nur um dann in passenden Momenten mit Zitaten um sich zu werfen.
Ist mir aufgefallen in Über mir der Himmel von Jandy Nelson, aber seien wir ehrlich, John Greens Protagonisten neigen auch dazu, und Jennifer Nivens All the Bright Places platzt in der Hinsicht aus allen Nähten.
Ganz im Ernst, Leute? Jetzt geht es mir besser. 😉 Nein, Spaß beiseite – auch wenn ich oben einen eher lockeren Ton angeschlagen habe, so ist das Ganze etwas, auf das man meiner Meinung nach tatsächlich aufmerksam machen muss. Natürlich bildet Literatur immer eine idealisierte Realität ab, aber all diese Klischees sind realitätsferner als manch andere – und können schnell den Blick auf die Realität etwas verzerren.
Was nervt euch denn manchmal so richtig an (Jugend-)Büchern?
 
Übrigens hat Mara von cakes & colors ebenfalls vor ein paar Wochen über 5 Klischees in Young Adult Büchern, die sie nicht ausstehen kann, geschrieben – und ich kann ihr da nur voll und ganz zustimmen! Schaut unbedingt mal bei ihr vorbei. 🙂

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12 Kommentare

  1. Da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen! Vor allem die beste Freundin ist sehr zutreffend 🙂 Dass die weiblichen Protagonistin oft Bücherverrückt ist kann ich nachvollziehen, denn wer liest nicht gerne übrr Leute die Bücher lieben? So kann man sich besser mit der Protagonistin identifizieren.
    Liebe Grüsse
    Julia

  2. Hmm, das kann ich nachvollziehen – so hab ich das noch gar nicht betrachtet! Das mochte ich zum Beispiel bei Katy aus Obsidian voll gerne. Mich stört es hauptsächlich, wenn die Protagonisten so richtig oft und viel von einem Buch reden und dann auch Referenzen machen, die ich einfach nicht verstehe. 😀
    Alles Liebe,
    Isabella

  3. Hey =)

    Ja es gibt durchaus Dinge, die mich ebenfalls an Jugendbüchern nerven. Ein paar gehen wirklich in die Richtung, die du oben ansprichst. Ich musste grad übelst grinsen, als ich deine Ausführungen gelesen habe.
    Ich muss beim Lesen solcher Passagen in Büchern sehr häufig die Augen verdrehen, aber es gibt durchaus auch viele Bücher, bei denen diese Klischees entweder gar nicht erfüllt werden oder angenehm blass erscheinen =).
    Ich glaube was mich am meisten nervt, sind diese überirdisch gut aussehenden Protagonisten. Das ist schon manchmal sehr anstrengend. Man muss echt aufpassen, dass man beim Lesen nicht von diesen Erscheinungen geblendet wird. besonders schlimm ist es, wenn es auf jeder zweiten Seite erwähnt wird. ^^

    LG
    Anja

  4. Arghh, okay – dann eben nochmal hier in etwas abgekürzter Form! 😀

    Auf "A Conjouring of Light" freue ich mich auch schon wahnsinnig, auch wenn mir völlig schleierhaft ist, wie es da ein gutes Ende geben soll. Genauso bei "A Court of Wings and Ruin" – das wird uns das Herz brechen, ich seh es kommen! 😀
    "Lord of Shadows" und "Our Dark Duet" werden bestimmt klasse, auch wenn ich bei beiden irgendwie auch nicht viel Hoffnung auf eine schnelle und tränenlose Lösung habe!
    Aber vielleicht wird das ja bei den Einzelbänden besser – da freue ich mich besonders auf "Carve the Mark", "Long May She Reign" und "Caraval"! 🙂

    Und bei diesem Post hast du einfach SO KOMPLETT RECHT!
    Vor allem den heißen, mysteriösen und unnahbaren Typ kann ich in Büchern einfach nicht mehr sehen! Das ist meistens einfach so unglaublich sinnfrei und idiotisch!
    Genauso wie die erzwungenen Liebesgeschichten, die bräuchten viele Bücher überhaupt nicht, aber trotzdem sind sie da. Ich meine – Frauen ohne Beziehung oder mindestens zwei Kerle, die auf sie stehen, können schließlich keine Helden sein, ne? Booooahh!
    Und der letzte Punkt regt mich auch jedes Mal auf! 😀

    Liebe Grüße & hoffentlich schickt es den Kommentar wenigstens dieses Mal ab! 😀

  5. Huhu,
    was für ein toller Post! Da kann ich dir bei allem nur zustimmen!
    Ich lese ja wirklich gerne Liebesgeschichten — wenn sie gut gemacht sind. Wenn man wirklich versteht, warum die beiden Charaktere miteinander verbunden sind. Aber wenn sie das nicht sind… warum gibt es dann überhaupt eine?

    Regt mich auch total auf 😀

    Liebe Grüße
    Aileen

  6. Ohh, die Snippets kannte ich noch gar nicht!
    Ach man, ich will jetzt sofort das Buch haben! 😀
    Und stimmt, Cassandra Clare kriegt das immer irgendwie hin – auch wenn ich die Enden bei "Clockwork Princess" und "City of Heavenly Fire" zwar schön, aber irgendwie auch ziemlich bittersüß fand!

    Harry Potter muss ich auch unbedingt wieder lesen, wenn ich zurück in Passau bin – geht einfach immer! 🙂

  7. Hi Aileen,
    Genau das ist es!! 😀 Die Szenen miteinander können ja noch so süß geschrieben sein, aber bei mir kommt immer die Frage nach dem Warum auf – und das muss ich einfach beantwortet kriegen!
    Alles Liebe,
    Isabella

  8. Liebe Anja,
    Ohja, die sind auch ganz arg nervig! 😀 Gerade die gut aussehenden Frauen müssen dann immer noch ein Selbstbewusstsein von -1000 haben und sich als das hässlichste Wesen überhaupt empfinden. Was ist schon eine selbstsichere Protagonistin. 😉
    Alles Liebe,
    Isabella

  9. Sehr gut geschrieben, kann ich so unterschreiben. Die beste Freundin ist mir auch schon mehrmals aufgefallen, würde mir aber gar nicht einfallen, wenn mich jemand fragen würde, was mich an YA nervt. Und warum? Sie verschwindet so schnell wieder, dass ich nachher gar nicht mehr weiß, dass sie überhaupt mal da war. Generell gibt es viel zu wenig Freundschaft in Jugendbüchern und das finde ich schon extrem kritisch, wenn ich mal so darüber nachdenke. Dass man alle Freunde vergessen sollte, sobald ein heißer Typ daher kommt, ist eigentlich nicht das, was man Teenagern vermitteln sollte.
    Ich finds super, dass du auch positive Beispiele genannt hast, die es anders machen. 🙂

    Liebe Grüße!

  10. Freut mich, dass der Beitrag dir gefallen hat! 🙂
    Genau das ist es! Vielleicht lehne ich mich da ein bisschen weit aus dem Fenster, aber zumindest für einen Großteil der Menschheit ist Freundschaft einer der wichtigsten Aspekte im Leben – und dennoch einer, der in Büchern oft gar nicht oder nur schlecht thematisiert wird. Ich bin für mehr Freundschaften! 🙂 (Und verzichte auch auf ein paar Typen im Gegenzug. ;))
    Vielen Dank für die Rückmeldung!
    Alles Liebe,
    Isabella

  11. Moin Isabella,

    ich kann mich den begeisterten Vorkommentaren nicht wirklich anschließen – sicherlich gibt es lange ausgelutschte Ideen, die sich gut verkauf(t)en und daher immer wieder verwendet werden. Ist ja auch logisch, warum denn das Rad neu erfinden?

    Ich lese in letzter Zeit nicht wirklich viel YA-Bücher, kann Dir aber grundsätzlich nicht unbedingt zustimmen. Zumindest fallen mir all diese Dinge nicht negativ auf. Wobei das mit den Kerlen ja so ziemlich immer so ist, nicht nur im Jugendbereich. Aber es gibt eben auch einfach Klischees, die irgendwie erfüllt werden müssen – so wie Du über diese Dinge meckerst, würden sich andersrum sicherlich auch Leser beschweren, wenn sie fehlen würden.

    Außerdem sage ich immer: warum drüber aufregen? Ändern kannst Du es eh nicht mehr 😉

    Ein verspätetes frohes neues Jahr und liebe Grüße,
    Jess

  12. Liebe Jess,
    auch dir ein frohes neues Jahr! 🙂
    Ich glaube, du hast meinen Beitrag als etwas ernster aufgefasst als ich ihn eigentlich meinte. Natürlich bin ich manchmal genervt, wenn mir etwas wieder auffällt – aber ich mag durchaus ein paar Bücher, in denen diese Klischees vorkommen. Ich wollte einfach mal ein paar besonders oft genutzte Szenarios aufgreifen und darauf aufmerksam machen. Meine Zeit ist mir viel zu schade, um mich dann tatsächlich intensiv über so etwas aufzuregen. 🙂
    Alles Liebe,
    Isabella

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