15 Neuerscheinungen, auf die ich mich 2021 freue

Zugegeben: In den letzten zwei Jahren bin ich zunehmend schlechter darin geworden, ein Auge auf Neuerscheinungen zu haben. Das hängt auch zweifellos damit zusammen, dass ich zu oft daran scheitere, Bücher überhaupt zeitnah zu lesen, und manchmal können mich Neuerscheinungen noch so sehr interessieren und ich werde sie dennoch liegen lassen, bis der:die Autor:in schon drei weitere rausgebracht hat. Ups. Da ich allerdings sogar die Hälfte der 2020er-Neuerscheinungen, die ich euch Anfang des Jahres vorgestellt hatte, gelesen habe, werde ich diese Beitragsreihe noch nicht vollkommen aufgeben. Los geht’s:

Lore von Alexandra Bracken (05.01.21) wird als Mischung aus griechischer Mythologie und den Hunger Games beschrieben. Alle sieben Jahre beginnt der Agon auf ein Neues: Neun griechische Gött:innen werden als Menschen auf die Erde entsandt, wo sie von ihren Nachfahren gejagt werden – denn gelingt es einem Nachkommen, eine:n Gott/Göttin umzubringen, erhält er selbst göttliche Macht. Lore will mit dieser Jagd eigentlich gar nichts mehr am Hut haben, wird aber von Athene und ihrem Kindheitsfreund Castor zur Partizipation überredet – doch zu welchem Preis? Mit griechischer Mythologie kann man mich immer kriegen, es ist längst überfällig, dass ich mal etwas von Alexandra Bracken lese und zu allem Überfluss ist Lore ein YA-Standalone und damit auch für inkonsequente Leser:innen wie mich bestens geeignet.

Concrete Rose von Angie Thomas (12.01.21) ist ein Prequel zu The Hate U Give und erzählt die Geschichte von Starrs Vater, Maverick. Da sein Vater im Gefängnis ist, dealt er, um seine Familie mit Geld zu versorgen. Dann ändert sich seine Welt schlagartig: Er wird selbst Vater und muss sich mit einem Mal um ein Kind kümmern. Als ihm angeboten wird, auszusteigen, ergreift er die Chance – doch der Ausstieg gestaltet sich alles andere als leicht, und Mav kämpft mit Loyalität, Verpflichtungen und auch immer wieder damit, was es bedeutet, ein Mann zu sein. Da ich The Hate U Give geliebt habe, würde ich so ziemlich alles, was mit der Carter-Familie zu tun hat, lesen, und bin ungemein gespannt auf Thomas‘ Ausführungen zu Schwarzer Männlichkeit. Die deutsche Ausgabe erscheint zeitnah am 25.01. bei cbj.

Auch 2021 kann ich es nicht sein lassen, neugierig auf Adult Romance zu schielen. Make Up Break Up von Lily Menon (das Pseudonym von Sandhya Menon; 02.02.21) klingt einfach zu gut: Annika Devs App ‚Make Up‘ soll Beziehungen retten, Hudson Crafts ‚Break Up‘-App wird als das Uber für Trennungen beschrieben. Die beiden Rival:innen stehen sich in einem Wettbewerb gegenüber, dessen Gewinn sie benötigen, wenn sie ihre Apps am Leben halten wollen – und kommen sich dabei unweigerlich näher. Bei Menons YA-RomCom When Dimple Met Rishi codet die Protagonistin ebenfalls, und ich hatte mir damals gewünscht, etwas mehr davon im Buch repräsentiert zu sehen – deshalb bin ich sehr gespannt, ob mich Make Up Break Up in der Hinsicht mehr überzeugen kann.

Am 15.02.21 erscheint Hengameh Yaghoobifarahs Debüt Ministerium der Träume bei Blumenbar. In dem Roman geht es um Nas, deren Schwester Nushin angeblich bei einem Autounfall gestorben ist. Nachdem sie alles – die Migration nach Deutschland, den Verlust des Vaters, Nushins ungeplante Schwangerschaft – zusammen durchgemacht haben, bricht für Nas eine Welt zusammen. Sie nimmt ihre Nichte zu sich auf, begibt sich auf Spurensuche und versucht, die Geschichte ihrer Schwester zu rekonstruieren. Nachdem ich dieses Jahr Eure Heimat ist unser Albtraum, das von Yaghoobifarah mitherausgegeben wurde, gelesen hatte, bin ich auf Yaghoobifarahs Prosa gespannt. Worauf der Titel anspielt, ist ja auch hier wieder sehr deutlich.

In 2021 möchte ich auch insofern meinen Horizont erweitern, als dass ich mehr Bücher von nicht-deutsch- oder englischsprachigen Autor:innen lese. Die Erzählungen Mein Mann von Rumena Bužarovska (02.03.21), die von Benjamin Langer aus dem Mazedonischen übersetzt wurden, klingen da richtig gut. In elf Geschichten setzen sich diverse Ich-Erzählerinnen mit den Männern in ihrem Leben und in der Konsequenz auch mit dem Patriarchat auseinander.

Am 09.03.21 erscheint Perfect on Paper von Sophie Gonzales. In dem Buch geht es um Darcy, die hinter dem Schließfach 89 steckt. In dieses Schließfach können ihre Mitschüler:innen ihre Sorgen werfen, um anonyme Ratschläge per Mail zu erhalten. Doch dann findet Alexander ihr Geheimnis raus und erpresst sie: Er wird es nicht verraten, wenn Darcy ihm hilft, seine Ex-Freundin zurückzugewinnen. Und was könnte dabei schon schiefgehen? Dieses Jahr habe ich Gonzales‘ Only Mostly Devastated ungemein gerne gelesen und hoffe, dass Perfect on Paper ebenso schwermütig-leicht und witzig ist.

Die Männer in meinem Leben von Sofia Rönnow Pessah (29.03.21) wurde aus dem Schwedischen von Leena Flegler übertragen. In diesem Debüt geht es um Sonia, die tagsüber Juristin ist und nachts Ablenkung in Form von irgendwelchen Tinder-Dates sucht. Ihre innere Leere wird mit jedem Mann größer, und sie muss sich fragen: Wer ist sie ohne die Bestätigung all dieser Männer? Über Versuche, sich von Erwartungen zu befreien, kann man meiner Meinung nach eh nicht genug lesen, und die Prämisse in Kombi mit dem Cover hat mich einfach ungemein neugierig gemacht.

An demselben Tag, dem 29.03., erscheint (auch bei Ullstein) Trennungsroman von Anna Brüggemann. Der Titel ist hier relativ selbsterklärend: Thomas und Eva sind Anfang dreißig, seit acht Jahren ein Paar – und die Beziehung scheint kurz vor dem Ende zu stehen. In der Verlags-Vorschau heißt es, dass der Roman von den letzten dreißig Tagen der Beziehung erzählt, was ich ein ziemlich reizvolles Konzept finde. Trennungen sind ja in der Literatur meist eher Romananfänge als -inhalte, deshalb möchte ich hier auf jeden Fall mal reinlesen.

Eine weitere Übersetzung, dieses Mal aus dem Norwegischen, ist Nie, nie, nie von Linn Strømsborg (12.04.21). Die Ich-Erzählerin ist fünfunddreißig und hat sich schon vor Jahren entschieden, keine Kinder zu bekommen – eine Entscheidung, mit der sowohl ihre Mutter als auch ihr Partner kämpfen, und die überhaupt zu Fragen nach Elternschaft und Weiblichkeit anregt. Denn noch immer bringt die Entscheidung, keine Kinder zu kriegen, einen immensen Rechtfertigungsdruck mit sich.

Am 20.04.21 erscheint Kate in Waiting von Becky Albertalli, einer Autorin, die mir mit ihrem Coming Out-Essay dieses Jahr noch ein Stückchen mehr ans Herz gewachsen ist. (Der Essay problematisiert zurecht die Ambivalenz der Forderung nach own voices-Autor:innen – immer wieder wurde Albertalli dafür kritisiert, dass sie als augenscheinlich heterosexuelle Autorin queere Romane schrieb, sodass sie sich schließlich genötigt sah, sich zu outen.) In Kate in Waiting geht es um die semi-kodependenten besten Freund:innen Kate und Anderson, die beide denselben Crush haben. Das Problem: Besagter Crush wechselt an ihre Schule, und mit einem Mal steht ihre Freundschaft auf dem Spiel …

Am 04.05.21 erscheint Meet Cute Diary von Emery Lee, das für Fans von Becky Albertalli perfekt sein soll. Noah Ramirez führt den beliebten Blog Meet Cute Diary, wo er Happily Ever Afters von Transmenschen sammelt. Das einzige Problem: Die Geschichten sind fake, und als eines Tages ein Troll das enthüllt, muss Noah um seine Glaubwürdigkeit kämpfen. Dann trifft er Drew, der bereit ist, vorzugeben, dass er Noah datet. Nur entwickelt Noah echte Gefühle, und er lernt schon bald, dass Liebe im echten Leben ganz anders ist als das, was er sich ausgedacht hat.

Bei Wir werden nicht unterwürfig geboren. Wie das Patriarchat das Leben von Frauen bestimmt von Manon Garcia (05.05.21) hat mich der Titel schon unglaublich neugierig gemacht. Der französische Titel On ne naît pas soumise, on le devient macht die Anspielung an de Beauvoirs berühmtes On ne naît pas femme: on le devient noch deutlicher. In ihrer Studie, übersetzt von Andrea Hemminger, geht Garcia dem Konflikt zwischen feministischer Selbstbestimmung und dem Bedürfnis nach männlicher Anerkennung nach und untersucht, inwiefern Frauen sich selbst unterwerfen.

Nächstes Jahr wird es endlich ein neues Jugendbuch von Holly Bourne geben, und zwar The Yearbook (13.05.21). Ich muss zugeben, dass mich der Inhalt weniger umhaut, aber da ich bisher kein Jugendbuch von ihr gelesen habe, das ich nicht mochte, vertraue ich ihr da einfach mal. In The Yearbook geht es um Paige, die für die Schulzeitung arbeitet und daher bestens mit Falschmeldungen umzugehen weiß. Jetzt soll sie jedoch die Highlights ihrer Mitschüler:innen im Jahrbuch verpacken – und eines ist unwahrer als das andere. Paige findet, dass es an der Zeit ist, die Lügen aufzudecken …

Auch von Ciara Smyth würde ich, nachdem The Falling in Love Montage zu meinen diesjährigen Lieblingsbüchern gehörte, so ziemlich alles lesen. Am 25.05.21 erscheint Not My Problem, in dem es um Aideen geht, die dabei ist, ihre beste Freundin zu verlieren, und deren Mutter ein Alkohol-Problem hat. Als sie ihre Konkurrentin Meabh bei einem Breakdown ertappt, entdeckt Aideen, wie schön es ist, sich um die Probleme anderer zu kümmern – bis sie von ihren eigenen eingeholt wird … Not My Problem klingt, als würde es, genau wie The Falling in Love Montage, ernste Themen mit einer süßen Liebesgeschichte zu verknüpfen, and I am here for it.

Das letzte Buch auf meiner Liste ist All Of Us Villains, eine Zusammenarbeit von Amanda Foody und Christine Lynn Herman (09.11.20), das leider noch kein Cover hat. Auch das wird überall mit den Hunger Games verglichen: Als ein Enthüllungsbuch veröffentlicht wird, sind auf einmal alle Augen auf Ilvernath gerichtet. Sieben Familien veranstalten dort bei jeder neuen Generation ein Turnier, bei dem die Champions jeder Familie sich auf den Tod bekämpfen. Denn der:die Gewinner:in hat Zugriff auf den Magievorrat der Stadt. Bisher wurde fast jedes Turnier von derselben Familie gewonnen, aber durch die neugewonnene mediale Aufmerksamkeit sind die Chancen erstmalig gleichmäßiger verteilt. Ehrlich gesagt finde ich, dass ein Vergleich mit den Hunger Games bei diesem Blurb noch ein bisschen untertrieben ist, aber selbst wenn es ein reiner Abklatsch werden sollte (was ich den Autorinnen nicht zutraue), würde ich es immer noch unglaublich gerne lesen.


Dann werden wir mal Ende 2021 sehen, wie viele der oben vorgestellten Bücher ich tatsächlich verschlungen habe, aber 2021 verspricht zumindest, ein gutes Lesejahr zu werden! Auf welche Neuerscheinungen freut ihr euch besonders? 👩🏼‍💻

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