[Rezension] Will & Will – John Green / David Levithan

Will Grayson #1 lebt ein Leben, das keines ist. Denn er lebt nach zwei Regeln: 1. Nichts zu nah an sich ran lassen. 2. Bloß nicht die Klappe aufmachen. Der einzige Freund, den er hat, ist Tiny, nahezu ein klischeehafter Schwuler. Nur wegen Tiny kommt er dann auch in Kontakt mit Jane, aber irgendwie weiß er nicht so recht, ob er denn mit ihr zusammen sein will. Ob das überhaupt gut ist. 
Will Grayson #2 ist depressiv und muss Tabletten schlucken. Kontakt hat er nur zu einem Menschen – Isaac, einem Jungen, den er im Internet kennen gelernt hat. Außer Isaac sieht er keinen Sinn in seinem Leben: Seine Mutter nervt und auch Maura, ein Mädchen, das versucht, zu ihm „vorzudringen“, wie sie es nennt, hilft ihm nicht gerade, den Tag zu überstehen.
Durch viele Zufälle treffen Will Grayson #1 & #2 eines Abends in einem Sexshop aufeinander. Und seit diesem Tag ist in ihrer beiden Leben nichts mehr wie je zuvor.
Sag mal, gibt es unter den Lesern eigentlich jemanden, der jetzt entnervt aufstöhnt, weil ich schon wieder mit einem John Green Buch komme? Wenn ja, hier gilt ab jetzt keine Meinungsfreiheit mehr! 😀 Ach was. Na ja, auf jeden Fall komme ich mal wieder mit einem John Green Buch. Aber es ist ja nicht nur John Green. Schließlich hat David Levithan auch einen Anteil an Will & Will. Genau genommen, die Hälfte.
Schon zu Anfang des Buches war mir ziemlich klar, dass Will #1 John Green gehört und der andere demnach David Levithan. John Greens Schreibstil ist also mal wieder unverkennbar und dass ich von dem ohnehin begeistert bin, brauche ich an der Stelle wohl nicht mehr erwähnen.
Umso mehr war ich… überrascht? von dem Schreibstil und vor allem die Art, wie Will #2 von David Levithan geschrieben wurde. Zum einen ist alles kleingedruckt und allein das setzt eine gewisse Eingewöhnung hervor. Dann aber sind die Dialoge in einem Art „Drehbuch“-Stil geschrieben. Also, dass vorne der Name steht und dahinter der Text. Sozusagen. Diese Art von Dialogen ist eigentlich schön einfach zu lesen und sie strengt auch nicht weiter an. Der Schreibstil ist also sehr simpel und einfach gehalten, mir einen Ticken zu einfach und mit zu vielen Schimpfwörtern. Der Schreibstil kommt doch an der ein oder anderen Stelle für mich sehr lieblos herüber.
Die Geschichte selbst klang doch wirklich nett, und vor allem war ich von Anfang an gespannt, ob mehr hinter den beiden Wills steckt, oder ob es einfach nur ein „Gag am Rande“ sein soll, der keine größere Bedeutung mehr in der Geschichte annimmt. Ansonsten versprach das Buch doch, eines zu werden, aus dem man hinterher mit ein wenig schwererem Herzen und tausenden an Lebensweisheiten mehr herauskommt.
Spannung ist in dem Buch allerdings wirklich nicht vorhanden, das will ich gleich vorwegnehmen. Teilweise war es sehr trocken und ich habe öfters nachgespickelt, wie viele Seiten es denn jetzt noch dauert, bis das Kapitel um ist…^^ Also irgendwelche Wow-Effekte oder heftige Wendungen darf man wirklich nicht erwarten. Es ist vielmehr so, als hätten Will #1 & #2 einen Vertrag unterschrieben, über ihr Leben würde eine Doku gemacht werden. So ist das Buch. Ein Mitschnitt aus dem Leben der beiden, sozusagen. So würde ich es jedenfalls beschreiben.
Will #1 ist ein Charakter, mit dem man sich gut identifizieren kann. Ich meine, wer hat schon nicht mal gedacht: Ach, hätte ich das nicht gesagt. Am besten, ich halte jetzt meine Klappe… Doch kaum einer hält das letzten Endes konsequent durch. Das ist das, was einen ein bisschen traurig macht, wenn man von Will #1 liest. Diese Konsequenz, wie er an seinen zwei Regeln festhält, als hätte er sonst nichts anderes im Leben. Als er dann Jane kennen lernt, wird er mit seinen zwei Regeln konfrontiert und der Frage: Was ist wichtiger? Liebe oder ein „sorgenfreies“ Leben? Ich habe ihn jedenfalls sehr gemocht und es ist auch schön, zu lesen, dass er im Laufe des Buches reift.
Mit Will #2 konnte ich leider weniger anfangen, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Und zwar einfach aus dem Grund, weil ich an ihn nicht rangekommen bin. Er ist halt so, wie er ist. Ohne jeden Hintergrund und genau DAS hat mir gefehlt. Was ist mit seinem Vater genau passiert? Wieso empfindet er seiner Mum gegenüber so? Woher die Depressionen? Und so weiter und so fort… Da fehlt einfach dieses gewisse Etwas, was Will #2 zu einem greifbaren Charakter gemacht hat.
Die Nebencharaktere, wie z.B. Tiny, Jane und Maura sind allerdings wieder Kunstwerke für sich. Keiner wie der andere. Auch wenn Tiny teilweise unwirklich wirkt, da er wirklich jedes Schwulenklischee aufgreift, was man nur finden kann.

Dass das Buch ein sehr wichtiges Thema – Homosexualität – anspricht, kann ich natürlich auch nicht unaufgegriffen lassen. Ich finde es sehr wichtig, dass in dieser Hinsicht eine gewisse Toleranz vorhanden sein MUSS, denn ich für meinen Teil sehe zwischen Homo und Hetero keinen Unterschied. Wir sind alle nur Menschen. Punkt. In dem Buch wird mit dem Thema „Schwulsein“ ziemlich schonungslos umgegangen. Man entdeckt sowohl Sonnen- als auch Schattenseiten und das Outing von Will #2 dürfen wir auch miterleben. Die Art und Weise, wie es allerdings aufgegriffen wird, finde ich gut. Nichts wird verschönigt.

Trotz allem konnte mich das Buch letzten Endes nicht umhauen. Woran das lag, kann ich selbst nicht genau beschreiben. Zum Einen hatte ich, wie bereits gesagt, ein wenig Probleme mit David Levithans Schreibstil und seinem Will #2, aber auch John Green konnte in dem Buch nicht so glänzen, wie er es sonst immer tut, was wahrscheinlich an der fehlenden Spannung seine Ursache findet.
Immerhin habe ich am Ende des Buches meine Lebensweisheiten mitnehmen können. Und das soll doch was heißen. 😛
„Will & Will“ konnte mich leider nicht ganz überzeugen. Mir fehlten Spannung und überraschende Wendungen und auch mit dem Schreibstil von David Levithan konnte ich mich nicht anfreunden. Ein bisschen mehr Tiefgang hätte dem Buch auch nicht geschadet, aber trotz allem ist es eine kurzweilige, aber einigermaßen gut unterhaltende Geschichte mit Charakteren, die sich sehen lassen können.
Titel: Will & Will

Hardcover: 384 Seiten
Verlag: cbt
Reihe: –
Preis: 14,99€
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