[Rezension] Please don’t hate me – A. S. King

Originaltitel: Please ignore Vera Dietz

(Greife ausnahmsweise auf den Originaltext zurück.)

Kann man vergessen, was war? Muss man verzeihen, um den anderen zu retten? Wie viel Mut braucht die Wahrheit? Vera hasst Charlie. Aus tiefstem Herzen. Obwohl er einmal ihr bester Freund war. Obwohl sie seine dunkelsten Geheimnisse kannte. Obwohl sie ihn so geliebt hat. Und doch ist sie die Einzige, die weiß, was in jener Nacht wirklich geschah. Der Nacht, in der Charlie starb.
Ich erinnere mich noch in dem Sinne gut an das Buch, dass ich mich genau an dem Moment erinnere, wo es erschien und ich mir dachte: Das musst du lesen. Tja, allerdings war mein Budget damals noch beschränkter (immer diese armen Schüler XD) und meine WL größer, sodass das Buch bald in Vergessenheit geriet. Als ich es dann bei einer Freundin entdeckte, hab ich’s mir geschnappt und war ehrlich gesagt ziemlich gespannt. Was ich erwartet habe? Eine Geschichte, die berührt und mitnimmt. Aber es ist nicht so, dass ich hohe Erwartungen an das Buch hatte. Ich wollte mich einfach überraschen lassen… Und wenn ich darauf zurückblicke, würde ich schon sagen, dass ich überrascht bin. Vielleicht nicht unbedingt im so positiven Sinne, aber immerhin.
Zum Anfang möchte ich sagen, dass schon allein der Aufbau des Buches eine kleine Besonderheit hat. Und zwar wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, und nicht nur das, sondern teilweise auch immer episodisch von der Vergangenheit. Um das jetzt mal ein bisschen zu erläutern – also einerseits wird natürlich aus Veras Sicht erzählt. Parallel dazu wird immer aus ihrer Vergangenheit erzählt, solange, bis diese praktisch erzählt ist. Dazu kommen noch Teile aus der Sicht ihres Dads, aus Charlies und sogar aus der von Pagoda, einem Ort. Ja. Ein Ort erzählt auch. Eigentlich hätte ich das Ganze ja ganz interessant gefunden, aber besonders bei den verschiedenen Personen hatte ich das Problem, dass sie gar nicht so verschieden klingen. Sie klingen nämlich alle gleich. Hätte die Überschrift nicht erläutert, um wen es sich handelt, hätte ich sie wohl nicht auseinander halten können… Ansonsten ist der Schreibstil allerdings ganz nett, nichts Besonderes, aber er lässt sich doch gut lesen.
Als das Buch in der „Gegenwart“ startet, ist Charlie bereits tot und wir erfahren grundsätzlich viel aus Veras Leben, ihrer Vergangenheit, etc. Sie ist ein Mädchen, das unglaublich viel ertragen muss(te) und ich bewundere sie wirklich dafür, wie sie immer stark bleibt und nie zusammenbricht. Sie verhält sich in jeder Situation so erwachsen, wie es – sorry – wohl sonst nicht einmal ein Erwachsener getan hätte. Und das ist das Wesentliche, was mich an ihrem Charakter stört. Auf der einen Seite konnte ich mich immer toll mit ihr identifizieren, aber auf der anderen Seite war sie einfach ZU ruhig. ZU unrealistisch. Sie hat immer alles eingesteckt und irgendwann wirkte das nicht mehr stark, sondern einfach nur noch unecht.
Von den anderen Charakteren erfährt man praktisch nicht all zu viel, jedenfalls nichts, um sich einen genaueren Eindruck machen zu können. Außer von Veras Vater erfährt man bei keinem anderen, was ihn eigentlich antreibt, bewegt, und so weiter – auch bei Charlie nicht! Wie bei Vera kriegen wir zwar seine Biographie zu hören, aber irgendwie ist man hinterher kein bisschen schlauer aus dem Jungen. Wenn die Autorin schon sich dazu entschieden hat, auch aus seiner Sicht zu berichten, hätte ich mindestens ein paar Erklärungen gebraucht. Erklärungen, wieso Charlie sich so gegen seine beste Freundin gewendet hat. Denn die waren mehr als dürftig.
Also plätschert die Geschichte so vor sich hin und ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob es eigentlich überhaupt ein Ziel gibt. Irgendetwas, auf das hingearbeitet wird. Letzten Endes war das wohl Veras Entwicklung und ihr Versuch, das mit Charlie alles zu akzeptieren und zu verarbeiten. 
Das ist allerdings das, was der Autorin wirklich gelungen ist: Diese „Weisheit“ zu verpacken. Ich kann es nicht anders beschreiben, doch das Buch zeigt irgendwie, dass man manche Dinge nicht ändern kann. Dass man sie hinnehmen muss und akzeptieren, dass man über sich hinauswachsen muss. So, wie das in dem Buch enthalten ist, empfand ich das als sehr schön. 

„Please don’t hate me“ ist ein Buch, das mehr einer trockenen Biografie gleicht als einem spannenden, berührenden Jugendbuch. Es zieht sich stellenweise sehr und die Charaktere sind sehr zweidimensional, aber ansonsten lässt es sich gut lesen und zeigt einem, was im Leben wichtig ist. Man muss es aber nicht unbedingt gelesen haben, finde ich.
Titel: Please don’t hate me

Klappenbroschur: 381 Seiten
Verlag: Arena
Reihe: –
Preis: 9,99€
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