[Rezension] Ugly: Verlier nicht dein Gesicht – Scott Westerfeld

Tally kann es kaum noch erwarten, es ihrem besten Freund Peris nachzutun und endlich zur Pretty zu werden – und zwar durch eine Operation nach der Vollendung des 16. Lebensjahrs. Doch in den drei Monaten, die es noch dauert, trifft sie auf Shay. Shay ist ganz anders als alle Uglies, – die noch nicht operierten – die Tally je kennen gelernt hat. Shay ist nämlich nicht so scharf auf die Operation, sie redet sogar davon, dass sie lieber ihr Gesicht behalten würde. Tally kann das gar nicht verstehen. Bis alles komplett schief läuft – und sie vor eine unglaubliche Wahl gestellt wird…
„Auch der Anblick von Smoke lenkte sie von ihren Sorgen ab. Jeder neue Tag schien den Berg zu verändern und den Himmel und die Täler der Umgebung, ließ sie auf immer neue Weise großartig erscheinen. Die Natur wenigstens brauchte keine Operation, um schön zu sein. Sie war es einfach.“
(Ugly, S. 229)


Ich persönlich finde, dass Ugly der Inbegriff der Dystopie ist. Sozusagen Adam und Eva, nur dass das Buch existierte, lange bevor Dystopien überhaupt so richtig gehypt wurden. Umso interessanter fand ich es eigentlich, das Buch zu lesen, denn der Begriff Dystopie war damals wahrlich noch nicht so verbreitet und ich hatte wirklich das Gefühl, noch ein „Urgestein“ in der Hinsicht zu lesen.
Das Buch selbst fängt eigentlich ziemlich gewöhnlich an. Man wird in Tallys Situation eingeführt, erzählt wird in der Vergangenheit und in der dritten Person aus Tallys Sicht, allerdings immer mit einer gewissen Distanz, die auch das ganze Buch über beibehalten wird. Dadurch passierte es mir, dass ich hin und wieder mit den Charakteren „aneckte“, da es teilweise einfach zu emotionslos und schwer nachzuvollziehen war.
Dennoch, wie gesagt, kommt man eigentlich relativ einfach klar, obwohl zu Beginn alles wohl eher das Gegenteil ist – total unklar. Denn Scott Westerfeld erläutert nicht mal eben das gesamte Ugly-und-Pretty-System, sondern wirft einem lieber mal hier und dort ein kleines Stückchen zu. Für mich persönlich ist das ein weiterer Kritikpunkt, da ich bei Beenden das Buches mehr das Gefühl hatte, nur ein Stück von Tallys Welt gesehen zu haben, und das Stück auch nur notdürftig zusammengeflickt ist. Da es sich bei Ugly aber um den Auftakt einer Reihe handelt, kann auch gut sein, dass man in den Fortsetzungen mehr dazu erfährt. 
Sieht man davon ab, ist Tally als Protagonistin ein sehr interessanter Charakter und damit komme ich zu dem Punkt, in welchem sich Ugly in meinen Augen am meisten von anderen Dystopien unterscheidet: dadurch, dass Tally selber betroffen ist. Tally ist nämlich keine Heldin. Sie ist nicht die, die das böse, schlimme System sieht und alles daran setzt, dagegen anzutreffen. Nein. Ganz und gar nicht! Man bekommt gleich am Anfang mit, dass Tally begeistert von dem ganzen System ist. Wie sie sich freut, hübsch zu werden, und auch zu Shay sagt, dass ihr Gesicht nach der Operation sicher nicht mehr so hässlich ist. Weil sie es selber glaubt. Weil sie auch naiv ist. Und das „Schlimme“ gar nicht sieht.
Zugegeben, ich bin mit Tally bis zum Ende nicht so wirklich warm geworden. Das liegt aber nicht daran, dass sie schlecht konstruiert wurde. Nein, bloß nicht, sie ist komplex und wirklich gut durchdacht und ich finde es einfach genial, aus ihrer Perspektive zu lesen! Ich kann sie nur einfach nicht leiden. 😀 Aber das hat keinen Einfluss darauf, wie ich das Buch gefunden habe.
Den sonst dystopietypischen Rebellen findet man daher mehr in Shay. Die, die Fluchtpläne schmiedet, waghalsig ist und lieber ihr asymmetrisches Gesicht behalten würde. Und auch in vielen anderen Figuren, die noch im Laufe der Geschichte auftreten, ist diese Abneigung gegen das System vorhanden. An ihnen hab ich wirklich nichts auszusetzen und ohne jetzt zu spoilern, muss ich sagen, dass selbst die Liebesgeschichte in dem Buch extrem anders und irgendwie originell ist!
Die kurz gehalten Kapitel machen das Lesevergnügen noch ein wenig „vergnügter“ und tragen auf jeden Fall dazu bei, dass man das Buch rasant durchgelesen hat…
„Ugly“ ist ein guter Reihenauftakt, der allerdings noch definitiv Platz nach oben offen lässt! Denn man bekommt nicht selten das Gefühl, nicht ganz über das System informiert zu sein, und durch einen distanzierten Schreibstil ist auch das Unternehmen, Tally und die anderen Charaktere nachzuvollziehen, ein wenig erschwert. 
Titel: Ugly: Verlier nicht dein Gesicht

Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Carlsen
Reihe: 1/4
Preis: 8,99€
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