Kurzrezensionen #14: Unerwähntes – Young Adult Edition

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich in den letzten Monaten wenig bis gar nichts auf dem Blog gepostet. Gelesen habe ich dennoch das ein oder andere Buch, vor allem auch das ein oder andere gute Buch. 😉 Daher möchte ich gerne nachträglich in diesen Kurzrezensionen (ein zweiter Teil wird folgen) Empfehlungen nachholen, die ich nicht zeitnah teilen konnte.


Tausend Nächte aus Sand und Feuer von E.K. Johnston

Worum geht’s?

Lo-Melkhiin hat über dreihundert Mädchen auf dem Gewissen. Jetzt kommt er in das Dorf der Protagonistin und wählt sie als seine nächste Braut aus. Bisher hat noch keine Braut mehr als ein paar Tage überlebt – doch die Protagonistin wacht jeden Morgen auf ein Neues auf …

Meine Meinung

Ich werde es nie müde, zu betonen, wie erfrischend es ist, einen Fantasy-Einzelband vorzufinden. Noch dazu ist Tausend Nächte aus Sand und Feuer ein originelles Werk, sowohl was den Erzählstil als auch  was die Konstruktion der Geschichte anbetrifft. Denn haltet euch fest: Das Buch kommt ohne Liebesgeschichte aus. Niemand muss fürchten, dass die Protagonistin sich in einen Mann verliebt, der Hunderte vor ihr auf dem Gewissen hat und für sie ebenfalls eine Lebensbedrohung darstellt.

Ebenfalls auffällig ist, dass kaum jemand in dem Buch einen Namen besitzt. Deshalb schreibe ich auch die ganze Zeit „die Protagonistin“. Ich kann über die Intentionen der Autorin nur rätseln, aber ich mag irgendwie die Idee, dass es darauf hinweisen könnte, dass die Geschichte eben nicht nur die Geschichte dieser Protagonistin ist, sondern potenziell eine Geschichte vieler Frauen, die wiederum vielerlei Leben berührt und damit geradezu etwas Zeit- und Ortenthobenes erhält. Jetzt will ich das Buch aber nicht überinterpretieren: Letztendlich ist es immer noch in einem orientalischen Setting situiert, das unglaublich atmosphärisch beschrieben wird. Der Schreibstil hat mich regelrecht gebannt – leider auch ein wenig auf Distanz gehalten, da er irgendwann so märchenhaft ist, dass mich die eigentliche Geschichte emotional nicht ganz mitnehmen konnte. Neben ein paar Längen war mir persönlich das Ende des Buchs ein bisschen zu rund, aber im Großen und Ganzen hat mich Tausend Nächte aus Sand und Feuer mit seiner Originalität beeindruckt.

Tausend Nächte aus Sand und Feuer ○ Hardcover: 368 Seiten ○ cbj ○ Einzelband ○ 16,99€

The Places I’ve Cried in Public von Holly Bourne

Trigger-Warnung: sexueller und emotionaler Missbrauch, PTSD

Worum geht’s?

Um Amelie, die aufgrund der Arbeit ihres Vaters umziehen muss. Was sie zurücklässt: ihre besten Freunde und ihre erste Liebe. An ihrer neuen Schule trifft sie auf Reese, der ebenfalls Musiker ist und ihr Herz schon bald voll und ganz für sich einnimmt.

Die Geschichte beginnt jedoch nicht mit dem Umzug. Sie beginnt mit dem Ende der Beziehung von Amelie und Reese. Und Amelies Versuch, zu verstehen, was ihr widerfahren ist.

Meine Meinung

Mittlerweile ist Holly Bourne bei mir eine ganz klare Auto-Buy-Autorin. (Einzig und allein ihr Adult Novel How Do You Like Me Now? war für mich eher ein Reinfall.) Bisher hab ich’s nicht bereut. The Places I’ve Cried in Public las ich innerhalb von zwei Tagen; etwas anderes wäre bei diesem Buch gar nicht möglich gewesen, so sehr hatte es mich im Griff.

Bourne macht Gebrauch von zwei verschiedenen Timelines, Jetzt-Amelie und Vergangenheits-Amelie, doch das geläufige Verfahren erhielt in The Places I’ve Cried in Public einen originellen Twist, indem sich die Jetzt-Amelie immer wieder dazwischenschaltet, um ihr Verhalten – und vor allem das Reeses – in der Vergangenheit zu kommentieren. Von Anfang an der Geschichte, selbst als Amelie es noch nicht realisiert hat, ist damit klar: Das, was hier erzählt wird, ist keine Liebesgeschichte. Das, was hier passiert, ist nicht okay. Als Leser_in weiß man also schon recht bald, worauf es hinauslaufen wird; man weiß nur noch nicht, wie schlimm es werden wird. Man kann nicht wegsehen. Man versucht, sich irgendwie auf den emotionalen impact vorzubereiten. The Places I’ve Cried in Public schmerzt selbst für ein Holly Bourne-Buch überdurchschnittlich.

Ich hoffe inständig, dass dieses Buch junge Menschen erreicht und möglicherweise dabei hilft, toxisches Verhalten frühzeitig zu erkennen. Dass es Betroffenen hilft, zu wissen, dass sie nicht alleine sind. Gleichermaßen kann ich mir vorstellen, dass das Buch auch für Nicht-Betroffene und Angehörige unglaublich wertvoll ist – denn während Außenstehende meist früher toxische Beziehungen und Abhängigkeitsverhältnisse als diese entlarven und sich fragen, warum die Betroffenen sich nicht ‚einfach‘ trennen (o.ä.), zeigt Bourne in Amelies Psychogramm auf, wie schwierig es ist, sich aus derartigen Verhältnissen zu lösen und wie diese zusätzlich das Umfeld der Betroffenen affizieren. Kurz gesagt: Wenn ihr nur ein Buch aus diesem Beitrag mitnehmt, dann dieses.

The Places I’ve Cried in Public ○ Taschenbuch: 360 Seiten ○ Usborne Publishing ○ Einzelband ○ ca. 8,39€*

The Vanishing Stair von Maureen Johnson

Da es sich hierbei um den zweiten Band einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Worum geht’s?

Nach den Ereignissen des ersten Bands musste Stevie Ellingham verlassen. Doch dann taucht eines Tages Edward King bei ihr auf – der Politiker, den ihre Eltern unterstützen, Stevie aber verachtet. Er macht ihr jedoch ein Angebot, das Stevie nicht ausschlagen kann: Sie darf zurück nach Ellingham, wenn sie auf seinen Sohn David aufpasst. Zurück in Ellingham ist Stevie näher an der Lösung des Falls denn je – doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse …

Meine Meinung

Ich weiß nicht, warum ich so lange gewartet habe, um den zweiten Band zu lesen – Band 1 hat mich damals restlos begeistert und es hat mir ungemein Freude bereitet, mich wieder in Stevies Welt zurechtzufinden. Maureen Johnson ist es gelungen, einen umfassenderen Cast mit so viel Liebe zum Detail auszuarbeiten, dass es kaum einen Charakter gibt, den ich nicht ins Herz geschlossen habe. (Abgesehen von David, bei dem ich auch nach dem zweiten Band nicht verstehe, warum ausgerechnet er das Love Interest ist, abgesehen von der random sexuellen Anziehung, die die beiden verspüren ¯\_()_/¯.) Während ich zwar das Gefühl hatte, dass sich gerade die erste Hälfte des Buchs etwas zieht, hat es mir nicht wirklich was ausgemacht, weil es durch die Charaktere und das Setting immer noch seltsam unterhaltsam war – wenn das Sinn macht?

Abgesehen von den Längen würde ich die Reihe immer noch uneingeschränkt empfehlen. Nicht nur schafft Johnson es, den Spannungsbogen über die einzelnen Bände aufrecht zu erhalten und dennoch genug Enthüllungen zu liefern; auch die Tatsachen, dass die Bücher mit Diversität punkten und Stevie nicht eine dieser Detektivinnen ist, die sich vollkommen blindlings und ohne jedwede Vorsicht ins Geschehen stürzen, sind immer wieder erfrischend.

The Vanishing Stair ○ Hardcover: 384 Seiten ○ Katherine Tegen Books ○ Band 2/3 ○ ca. 12,99€*


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1 Kommentar

  1. Es ist zwar schon ewig her, dass ich „Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ gelesen habe, aber den Schreibstil fand ich damals auch ziemlich interessant!
    Und „The Vanishing Stair“ steht hier jetzt auch im Regal; ich muss dieses Buch demnächst definitiv mal angehen. Die Buchrücken von Band 1 und 2 sehen zusammen auch einfach so wahnsinnig schön aus? (Bin sehr verliebt.)

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