[Rezension] Night School: Und Gewissheit wirst du haben – C.J. Daugherty

Da es sich hierbei um den letzten Teil einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten!

Inhalt

Nathaniel hat Carter in seiner Gewalt und droht, die Kontrolle über Orion zu übernehmen. Allie, Isabelle und all die anderen verbliebenen Cimmerianer rüsten sich für den letzten, alles entscheidenden Kampf.

Meine Meinung

Mit den Night School Büchern verbinde ich in erster Linie das allererste Rezensionsexemplar, das ich jemals erhalten habe (und wie aufgeregt ich damals war!). Das ist jetzt unglaubliche dreieinhalb Jahre her, und was in der Zwischenzeit alles passiert ist!
Ich muss allerdings auch sagen, dass ich der Reihe, noch bevor ich überhaupt zum fünften Band griff (und gerade deshalb so lange gezögert habe), skeptisch gegenüberstand. Ich weiß nicht, woran es liegt – daran, dass ich älter geworden bin? Oder dass mich schlichtweg die Übersetzung stört, weil ich jetzt selbst mehr Englisch lese und wenn ich Deutsch lese, auch wirklich Deutsch lesen will?
Während ich Band 2 top und Band 3 gut fand, bahnten sich bei Band 4 bereits die ersten Anzeichen an, dass die Chemie zwischen mir und Allie nicht mehr so stimmt.
Und leider, leider sollte sich meine Vorahnung bestätigen.
Aber von vorne: Night School: Und Gewissheit wirst du haben geht rasant los. So rasant, dass ich binnen Sekunden wieder völlig in der Geschichte gefangen war und die Seiten förmlich nur an mir vorbei flogen. Wenn sich eins in all den Jahren nicht geändert hat, dann das: die Bücher kriegt man zügig durch, entweder, weil der Schreibstil einen trägt oder die Spannung hochgeschraubt wird. Wenn man genug Zeit hat, braucht man höchstens zwei, drei Tage für einen Band.
Dann aber kam die Dürre. Und sie dauerte lange, lange an. 
Das Hauptziel war ja klipp und klar formuliert: Carter befreien. Dann erst überlegen, wie man mit Nathaniel verfahren soll. Deshalb habe ich erwartet, dass Carter eine Art Zwischenstation ist – ein kleiner Höhepunkt vor dem Showdown. Aber dem war nicht so. Drei Viertel (!) des Buches werden mit der Suche nach ihm verbracht. Das bedeutet: endlose Meetings, endlose Diskussionen, Dialog, Dialog, Dialog. Hin und wieder bekam man das Gefühl, dass C.J. Daugherty verzweifelt versuchte, die Handlung aufzupeppen, indem sie ein paar Geheimnisse ausbuddelte oder brenzlige Situationen hervorzauberte (die in weniger als 10 Seiten bereits wieder abgehandelt waren). Es war uninteressant. Selbst Allies Probleme waren für mich gewissermaßen uninteressant, einfach, weil ich sie irgendwo in den letzten Büchern verloren habe. Es tat mir nicht leid, dass sie Sylvain beibringen musste, dass das nichts mit ihnen werden sollte (für Sylvain allerdings schon) – im Gegenteil, ich war genervt, weil sie es einfach nicht hinter sich brachte. Ich war genervt von ihrer Sprunghaftigkeit – einmal hier, dann dort. Von ihrer beinahe penetranten Art.
Da mochte ich einen Großteil der Nebencharaktere lieber. Leider kam Carter kaum vor, was ich schade finde, da er von Anfang an zu meinen Favoriten gehörte. Wie gesagt – so trocken es im Zwischenteil war, nach hinten raus hat mir noch EINIGES gefehlt.
Dann ist da noch ein Aspekt, den ich bereits in der Rezension zu Band 4 angesprochen habe. Ich weiß nicht, ob ich es früher nie gemerkt habe – aber all diese Anglizismen nerven mich unglaublich. Ist mir egal, ob die Charaktere not amused sind oder Yes ausrufen wollen. Wir sind hier bei einer deutschen Übersetzung, und wenn ich will, dass die Charaktere auf Englisch reden, dann werde ich das Original lesen. Für den ein oder anderen mag das vielleicht überspitzt sein. Mich stört es einfach ungemein.
Generell die Jugendsprache. Im Dialog, okay, von mir aus. Aber doch nicht im generellen Schreibstil! Wenn ich so etwas lese, wie „Was will der wirklich?“, dann stellen sich bei mir einfach alle Nackenhaare auf. Nennt mich altmodisch. Aber wir sind hier letzten Endes bei Jugendbüchern, die zumindest nach einem gewissen Niveau verlangen.
Puhhh. Das musste mal wirklich gesagt werden (wenn an der Stelle überhaupt noch jemand mitliest). 
Was die Auflösung anbetrifft, finde ich, dass Daugherty einen soliden Job geleistet hat. Während in den Vorgängern Nathaniels Ziele und Pläne eher im Dunkeln blieben, so wurden sie hier transparenter und auch relevanter, etwas, was ich früher vermisst habe. Das fand ich gut. Auch die Lösung des Problems ist in Ordnung (auch wenn stellenweise etwas unrealistisch). Im Großen und Ganzen kann ich mit dem Ende der Reihe leben, auch wenn ein paar Aspekte detaillierter ausgeführt hätten werden können.
Zum Abschluss möchte ich noch einmal einen Rückblick auf die Reihe werfen – auch wenn das ja in den vorherigen Zeilen durchgeschimmert ist. Die Night School Bücher sind allesamt kurzlebiger Natur, ideal für die, die nach einem schnell zu lesenden, oberflächlich gehaltenen Buch greifen wollen. Die Übersetzung ist meiner Meinung nach nicht immer gelungen, da wäre das Ideal vielleicht gelungener, aber grundsätzlich, und das möchte ich hier noch einmal hervorheben, hat C.J. Daugherty etwas Originelles kreiert, eine Geschichte, die anfangs total nach Fantasy klingt, aber letzten Endes am Boden bleibt – etwas, was es heute quasi gar nicht mehr gibt. Das ist meiner Meinung nach auch der größte Pluspunkt der Reihe.
Ich muss allerdings auch zugeben, dass ich sie nicht noch einmal lesen oder kaufen würde. Dennoch – die Erfahrungen, die ich mit Allie und Cimmeria gemacht habe, werden bleiben.

Fazit

Night School: Und Gewissheit wirst du haben ist nicht der Abschluss, den ich mir gewünscht habe. Besonders gestört hat mich, dass es dauert, bis die Geschichte auf den Punkt kommt. Außerdem bin ich oft über den Schreibstil gestolpert. Dennoch finde ich, dass C.J. Daugherty mit den Büchern eine einzigartige Geschichte geschaffen hat, die bestimmt für die interessant sein könnte, die mal etwas abseits von Fantasy suchen.
Titel: Night School: Und Gewissheit wirst du haben
Hardcover: 416 Seiten
Verlag: Oetinger
Reihe: 5/5
Preis: 18,99€

2 Kommentare

  1. Huhu, ich fand das Finale auch wirklich enttäuschend. Mir hat ein wenig die Spannung gefehlt. Der 5. Teil konnte definitiv nicht mit dem Rest der Reihe mithalten, was echt schade ist, denn die Reihe hätte einen grandiosen Abschluss verdient. Wirklich schade…

    Alles Liebe, Nelly

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