Alles, was ich weiß über die Liebe von Dolly Alderton

Triggerwarnungen: exzessiver Alkohol- und Drogenkonsum, Magersucht

Inhalt

Alles, was ich weiß über die Liebe sind Dolly Aldertons Memoiren, in denen sie von der ersten großen Liebe, von skurrilen Dates, von Herzschmerz, aber vor allem auch von ihren Freundinnen erzählt, die sie über die Jahre hinweg begleitet haben.

Meine Meinung

Ich kann mich nicht mehr erinnern, wo ich es gelesen oder gehört habe, aber irgendwo in den Weiten des Internets äußerte sich mal jemand, dass man Alles, was ich weiß über die Liebe unbedingt in seinen Zwanzigern gelesen haben müsse. Dass ich wenig später lernte, dass Kiepenheuer & Witsch Aldertons Memoiren nach Deutschland brachten, wertete ich als Zeichen.

Es ist für mich immer schwierig, Memoiren zu bewerten, weil ich schnell das Gefühl kriege, die Person dahinter zu bewerten beziehungsweise vielmehr abzuwerten, wenn mich das Buch nicht ganz umgehauen hat. Das ist nämlich leider bei Alles, was ich weiß über die Liebe der Fall: Viel zu oft habe ich mich gefragt, Und warum muss man das jetzt erzählen? Auch bei Beenden des Buchs hatte ich nicht wirklich den Eindruck, zu neuen Erkenntnissen gelangt zu sein. Oder überhaupt etwas mitgenommen zu haben, das mich längerfristig beschäftigen wird.

Dolly Aldertons Schreibstil liest sich wie ein Brief von einer guten Freundin: Sie ist stets schonungslos ehrlich, offen, verquer-sympathisch. Die Ehrlichkeit richtet sich vor allem an sich selbst, an die Art und Weise, wie sie erst vor der kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst scheut, sich dann aber der Aufgabe heroisch stellt. Ich kam nicht umhin, sie zu bewundern – wie sie beispielsweise zugibt, wie schwierig es für sie war, wenn ihre Freundinnen aus der WG aus- und mit ihren Partnern zusammenzogen, oder welche Frustration sie gegenüber diesen Partnern empfand. Das sind in keinem Fall aus der Luft gegriffene Empfindungen, und doch welche, die kaum adressiert werden.

Der Humor war nicht recht meiner, manchmal hatte ich das Gefühl, dass zu sehr versucht wird, witzig zu sein. Das Buch ist episoden-/anekdotenhaft aufgebaut, was mir gut gefiel, aber zwischen Aldertons persönlichen Kram wurden fiktive E-Mails eingebaut, die bestimmte gesellschaftliche Aspekte (Hochzeiten, Dinnerparties etc.) überspitzt darstellen, auf mich aber meistens eher wie bedingt lustige Karikaturen wirkten und bei denen ich mich einfach fragte, was sie in einem autobiographischen Roman zu suchen hatten.

Etwas, das mich persönlich gestört hat und wahrscheinlich sonst kaum jemandem auffallen wird, ist der Umgang mit Aldertons Essstörung (TW). Schon bei dem Kapitel, in dem sie am Ende erzählt, dass eine neue Beziehung ihr im Heilungsprozess geholfen hätte, war ich skeptisch gestimmt. Spätestens bei dem Rezept für Rührei, das nach dem „Eiweiß von 4 frischen Eiern (plus ein Eigelb, wenn man es gut meint)“ (S. 213) fragt, wurde mir anders. Und noch im abschließenden Kapitel wird ein „Nicht täglich Zucker essen. Zucker verändert deinen Körper sowohl äußerlich als auch innerlich zum absolut Schlechten“ (S. 309) unreflektiert in den Raum geworfen. Ich weiß, ich kann ja nicht Alderton als Person kritisieren; will ich auch nicht. Und ich würde nicht so empfindlich darauf reagieren, wenn ich nicht selbst eine Essstörung gehabt hätte, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es andere a) triggern und b) ein falsches Essverhalten suggerieren könnte.

Davon mal abgesehen fiel mir definitiv der Anfang am schwersten, aber umso weiter ich las, desto mehr konnte mich Alderton doch in ihren Bann ziehen. Ich hatte nicht mit einem roten Faden gerechnet, freute mich aber umso mehr darüber, wie sich dieser kristallisierte und wie er Aldertons Entwicklung widerspiegelte. Die letzten hundert Seiten las ich fast in einem Rutsch, war überrascht, wie emotional involviert ich doch war, insbesondere in das Leben von Aldertons Freundinnen. Vielleicht habe ich doch etwas mitgenommen, denke ich gerade – denn mit seinen Höhen und Tiefen hat mich Alles, was ich weiß über die Liebe in erster Linie daran erinnert, wie glücklich ich mich schätzen kann, so viele großartige Menschen in meinem Leben zu haben. Und das ist alles wert.

Fazit

Alles, was ich weiß über die Liebe sind nicht die besten und weltbewegendsten Memoiren, die ich jemals gelesen habe, aber im Großen und Ganzen haben mich Aldertons Erzählungen über alle möglichen Formen von Liebe gut unterhalten.

Vielen Dank an vorablesen und Kiepenheuer & Witsch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Alles, was ich weiß über die Liebe ○ übersetzt von Friederike Achilles ○ Klappenbroschur: 336 Seiten ○ Kiepenheuer & Witsch ○ 15€*


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2 Kommentare

  1. Hallo,

    dieses Buch lag gestern als unangefragtes Rezensionsexemplar in meinem Briefkasten, und mein erster Impuls war eine gewisse Bestürzung, weil mich das Buch eigentlich nicht ansprach.

    Ich hab kurz reingelesen und fühlte mich auf einmal sehr alt. Ich bin 42 und wünsche mich gar nicht zurück, ich will nicht noch eimal sechzehn oder sechsundzwanzig sein, ich bin ganz zufrieden da, wo ich bin. Die behandelten Themen interessieren mich einfach nicht sonderlich – auch wenn ich nicht sicher bin, ob das wirklich am Alter liegt, oder einfach daran, dass ich fast ausschließlich Romane lese.

    Ich werde dem Buch sicher noch eine Chance geben, aber es liegt auf meinem Lesetisch nicht ganz oben…

    LG,
    Mikka

    1. Liebe Mikka,

      kann ich voll und ganz verstehen! Vor ein paar Jahren hätte ich auch kein Interesse an dem Buch gehabt, und ich kann mir vorstellen, dass das in ein paar Jahren wieder ganz anders aussieht – manchmal passt die Lektüre einfach nicht zur aktuellen Lesephase. Vielleicht kannst du ja jemand anderem damit eine Freude machen 🙂

      Alles Liebe
      Isabella

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