Giants – Die letzte Schlacht von Sylvain Neuvel

Da es sich hierbei um den Abschluss einer Trilogie handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt

Zehn Jahre sind vergangen, seitdem Rose und Vincent von den Aliens von der Erde entführt wurden. Jetzt sind sie zurückgekehrt – und stellen fest, dass auf der Erde Chaos ausgebrochen ist: Die USA und Russland liefern sich einen erbitterten Krieg, in den der Rest der Welt hineingezogen wurde …

Meine Meinung

Giants – Die letzte Schlacht war ein Buch, dessen Erscheinen ich sehnlichst erwartet hatte – da die beiden ersten Bände mich schon so positiv überrascht hatten, war ich gespannt, mit welchen Twists der dritte Band punkten würde. Leider, um das vorwegzunehmen, war ich schon lange nicht mehr so enttäuscht von dem Abschluss einer Reihe; und die Gründe dafür zu benennen, fällt mir seltsam schwer.

Bereits zwischen Band 1 und 2 lag ein Zeitsprung von 10 Jahren, den der Autor überraschend geschickt überbrückt hatte. Deshalb war ich umso überraschter, wie schwer es mir fiel, in die Geschichte zurückzufinden, obwohl ich erst noch Ende letzten Jahres Rereads von den ersten beiden Bänden gemacht hatte. Vielleicht liegt es daran, dass der Zeitsprung nicht vollends zu tragen kommt – statt einfach zehn Jahre später weiter zu erzählen, kriegen wir gleichermaßen viele Einblicke in die Zeit, die Rose, Vincent und Eva auf Esat Ekt, dem Heimatplaneten der Aliens, verbracht haben. Und auch wenn die verschiedenen Storylines durch die Überschriften markiert sind, fühlte sich der Verlauf für mich unnatürlich und abgehackt an – irgendwie konnte mich nichts so richtig packen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich das Buch über einen längeren Zeitraum hinweg gelesen habe – dafür die letzten 180 Seiten in einem Rutsch, was das Ganze definitiv unterhaltsamer machte. Dennoch fehlte für mich einfach der Funke, der in den ersten beiden Büchern so stark war. Mit Giants – Die letzte Schlacht wird die Geschichte noch einmal auf eine andere Ebene gehoben, ja, aber es wird nicht epischer, größer, lauter, sondern … menschlicher. Der Originaltitel lautet Only Human, und das trifft es sehr gut: Neuvel setzt sich damit auseinander, wie die Konsequenzen der Entdeckungen und Entwicklungen der ersten zwei Bände lauten könnten, und zu sagen, dass diese hässlich sind, wäre noch untertrieben. Gleichzeitig sind seine Überlegungen beängstigend realistisch, überhaupt nicht aus der Luft gegriffen. Dieser nachdenklich-melancholische, aber sehr bodenständige Ton hat mich erschüttert und beeindruckt, einfach, weil er den Nerv der Zeit trifft.

Ich glaube, letztendlich vermisste ich gewisse Charaktere, die nicht die ersten zwei Bände überlebt haben, insbesondere, da es sich dabei bei mir um absolute Lieblinge handelte. Und ich weiß, dass ich diesen Mut, solche entscheidenden Figuren zu töten, bei meiner Rezension vom zweiten Band noch bewunderte – aber erst im Nachhinein merkte ich, wie sehr mir gewisse Stimmen doch fehlten. Oder im Umkehrschluss: dass die, die blieben, mir nicht genügten. Rose mochte ich schon immer, aber es war ein behutsames mögen; Vincent gehörte zu meinen absoluten Lieblingen, doch ihn erkannte ich in Giants – Die letzte Schlacht kaum wieder. Irgendwie schien er ein Schatten seiner Selbst zu sein, definiert über das Bedürfnis, seine Tochter zu beschützen, und über Zuschreibungen anderer Charaktere, die ich in seinen Aussagen nicht wirklich bestätigen konnte. Mit Eva selbst bin ich bis zum Schluss nicht recht warmgeworden, ihre Motive und Reaktionen blieben für mich immer nur begrenzt nachvollziehbar.

Die Auflösung, die Neuvel letztendlich wählt, ist großflächig bequem, gefällt mir von der „Moral“ her allerdings sehr gut. Ich bin also nicht vollends enttäuscht von diesem letzten Band – eher ein bisschen nostalgisch hinsichtlich was hätte sein können.

Fazit

Giants – Die letzte Schlacht ist kein schlechter Abschluss, kommt für mich aber um Längen nicht an die Vorgänger heran. Vor allem die Charaktere fand ich in diesem Band eher schwach – der sehr menschliche Einschlag, den Neuvel hier vornimmt, hat mir hingegen sehr gut gefallen. Grundsätzlich würde ich die Reihe immer noch empfehlen!

Vielen lieben Dank an Heyne für das Rezensionsexemplar!

Giants – Die letzte Schlacht ○ übersetzt von Marcel Häußler ○ Broschur: 480 Seiten ○ Heyne ○ Band 3/3 ○ 14,99€*


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1 Kommentar

  1. Hallöchen,
    ich habe mir gerade deine Rezensionen zu allen drei Bänden durchgelesen und kann dir nur zustimmen. Die ersten beiden haben mich begeistert zurückgelassen, aber der letzte war leider einfach enttäuschend. Ich habe deine Rezensionen auch in meiner Reihenrezension verlinkt 🙂

    Mir fiel es in diesem finalen Band eigentlich wieder super leicht, in die Geschichte reinzufinden. Erst ein paar Seiten später habe ich mir dann irgendwie schwer getan. Ich bin nicht darauf gekommen, woran es liegt, aber ich glaube, du hast Recht. Es könnte an den Rückblicken liegen, die die Handlung tatsächlich etwas abgehackt wirken lassen.
    Vor allem die Verhöre in Russland fand ich sehr langatmig und eher langweilig, während ich die Geschehnisse auf Ekt total interessant fand. Die Balance hat da für mich nicht wirklich gestimmt.
    Wie du habe ich das Buch aber auch über einen längeren Zeitraum gelesen – unter anderem weil es mich nicht so gepackt hat. Aber besser hat es das mit Sicherheit nicht gemacht.
    Puh, eigentlich kann ich mich in so ziemlich allem nur anschließen. Das besondere an Giants fand ich immer die Charaktere und mir ging beim Lesen des letzten Bandes tatsächlich genau das gleiche durch den Kopf wie dir: das es mutig ist, einen Hauptcharakter sterben zu lassen, aber dass mir genau dieser Charakter so fehlt. Während ich Eva im zweiten Band absolut nicht leiden konnte, bin ich jetzt im Finale doch warm mit ihr geworden. Ich habe viel von Kara in ihr wiederentdeckt und das hat mich beim Lesen sehr gefreut. Vincent habe ich aber auch nicht wiedererkannt. Sehr schade!
    Das Finale hat mich dann wohl etwas mehr enttäuscht als dich, denn ich fand es … zu wenig. „Bequem“ wie du es ausdrückst, trifft es ganz gut, aber mir persönlich war das einfach nicht genug.
    Liebste Grüße, Kate

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