Noch ein Jahresrückblick: Tschüss, 2018!

Mittlerweile ist es fast schon eine Tradition, dass meine Jahresrückblicke tendenziell mäßig bis stark zu spät erscheinen. Ehrlich, Leute. Ich bin beeindruckt, wie ihr das pünktlich auf die Reihe kriegt.

Ihr habt vielleicht gemerkt, dass a) in den letzten Monaten astronomisch wenig auf dem Blog los war und b) ich es nicht mal geschafft habe, einen Lesemonat Dezember zu verfassen. Aber diesen Jahresrückblick wollte ich mir doch nicht nehmen lassen – zwar habe ich nicht die Zeit und Geduld für die ausführlichen Statistiken und Grafiken vom letzten Jahr, aber ein bisschen Reflexion muss sein.

2018 war … anstrengend. Gerade die letzten Monate, weswegen es schwierig ist, sich nicht nur darauf fixieren. Irgendwie schade – die erste Hälfte kann noch so gut laufen, wenn man sich dann doch vorrangig daran erinnert, was in der zweiten passiert ist. Aber in 2018 habe ich zum ersten Mal die Leipziger Buchmesse besucht (und mein Herz an sie verloren). Viel gelesen. Zum ersten Mal seit Jahren kein Buch geschrieben und nicht am NaNo teilgenommen. Mehr gelesen, gerade für die Uni, wo ich auch seit letztem Jahr eine Hiwi-Stelle habe. Einen Podcast mitgegründet. Mit dem Blog bin ich nach WordPress umgezogen, meine Güte, was das für ein Akt war. Ich habe Freundschaften geschlossen und vertieft und fühle mich aufgehobener denn je. Bin zum ersten Mal alleine geflogen und habe eine Freundin in Oslo besucht. Nachtzug nach Lissabon gelesen und begonnen, Portugiesisch zu lernen. Habe Graphic Novels und Comics für mich entdeckt. Viel Zeit in mein BuJo investiert. Und dann noch ein paar Bücher mehr verschlungen. Ja, 2018 war anstrengend, aber gerade das macht es so wertvoll. Ich habe viel gelernt.

Zu meinen liebsten Beiträgen im letzten Jahr gehören meine Überlegungen zu den Tributen von Panem, 5 Jahre, nachdem ich sie zum ersten Mal gelesen habe. Ebenfalls habe ich mir Gedanken dazu gemacht, was es bedeutet, ein/e AutorIn im 21. Jahrhundert zu sein. Meine Liebe zu Frankenstein verschriftlicht. Und ganz viel reflektiert, nicht zuletzt über mein BuJo-System.

In 2018 habe ich 112 Bücher gelesen, so viele, wie noch nie zuvor in meinem Leben – obwohl es knapp 4000 Seiten weniger waren als im letzten Jahr, nämlich 41368 (laut Goodreads). Das macht etwa 370 Seiten pro Buch oder 113 Seiten am Tag. Ebenfalls habe ich weniger Rereads gemacht – nur 16, um genau zu sein.

Auch meine durchschnittliche Bewertung ist gesunken – was mich ehrlich gesagt nicht überrascht, weil dieses Jahr wenig das Gefühl aufkam, ein richtig gutes Buch gelesen zu haben. Habe ich die gelesenen Bücher 2018 noch durchschnittlich mit 3,9 Sternen bewertet, waren es 2018 nur noch 3,6 im Durchschnitt.

Natürlich gibt es letztendlich doch ein paar Bücher, die hervorstechen konnten, aber dazu später mehr.

Auch diese Grafik überrascht mich weniger – umso weiter das Jahr voranschritt, desto weniger griff ich zu Young Adult-Romanen (oder auch Fantasy, meinem anderen bisher meistgelesenem Genre). Ich weiß gar nicht genau, woher diese Veränderung kam – und ich teste mich auch immer noch innerhalb der „Erwachsenenliteratur“ aus. Hier bin ich besonders gespannt, in welchen Genres ich 2019 unterwegs sein werde.

Ja, am Ende des Tages bin ich ein Printbuch-Mensch. Für meine Verhältnisse habe ich dennoch relativ viele Hörbücher gehört, dass es so wenige eBooks wurden … nun gut.

Das hat mich tatsächlich überrascht; schließlich war ich noch im Vorjahr sehr stolz darauf, dass zwei Drittel meiner gelesenen Bücher auf Englisch sind. Von den deutschen Büchern sind 59% Übersetzungen. Seltsam – eine bewusste Entscheidung war das definitiv nicht.

8 Bücher, die ich 2018 geliebt habe

Stella von Takis Würger

Seitdem Liesa von Stella geschwärmt hat, konnte ich das Erscheinen des Buchs kaum abwarten. Das Schicksal meinte es besonders gut mit mir und ich gewann ein Vorableseexemplar. Prompt nach dem Auslesen drückte ich das Buch einem Freund in die Hand, der es noch schneller verschlang als ich. Und dann verlieh ich es direkt weiter.

Stella ist gestern erschienen, aber gewiss jetzt schon eins der großen Bücher des Jahres. Auf etwas über zweihundert Seiten erzählt Takis Würger eine Geschichte, die fesselt, packt, mitnimmt, nicht mehr loslässt. Ich muss das Buch unbedingt ein zweites Mal lesen.

The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy von Mackenzi Lee

Natürlich bin ich voreingenommen, wenn es um Mackenzi Lee geht – aber The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy hat wirklich jede Erwartung getroffen, die ich an das Buch hatte.

Queere Menschen gab’s auch vor dem 21. Jahrhundert, und das beweist Lee wieder mal mit diesem Buch; sie zeigt auf, dass platonische Freundschaften nicht weniger wert sind als romantische Beziehungen; und vor allem spricht sie darüber, dass Frauen verdienen, Raum in der Welt einzunehmen.

Wicker King von Kayla Ancrum

Eines der ehrlichsten und schonungslosesten Bücher, das ich jemals gelesen habe. Die Art und Weise, wie Ancrum Jack und Augusts Geschichte erzählt, ist unglaublich faszinierend.

Es ist ganz gewiss keine seichte Lektüre, und wenn ihr euch nicht selbst mental in einem guten Headspace befindet, würde ich es auch nicht empfehlen. Es geht um Missbrauch, toxische Freundschaften, Co-Abhängigkeit. Aber es ist so, so wichtig, dass es dieses Buch gibt.

State of Sorrow von Melinda Salisbury

Obwohl es ein Jugendbuch ist, fühlt sich State of Sorrow unglaublich erwachsen an. Es ist auch gewiss das politischste Fantasy-Buch, das ich jemals gelesen habe, und gerade das macht es so großartig.

Darüber hinaus besticht State of Sorrow mit dem Schreibstil und dem Weltenbau, aber auch den Charakteren. Gerade die Protagonistin Sorrow habe ich einfach unglaublich ins Herz geschlossen, nicht zuletzt wegen ihrer konstanten Angst, dem Imposter-Syndrom.

Turtles All The Way Down von John Green

Turtles All The Way Down habe ich wie im Rausch in einem halben Tag durchgelesen. Ich bin also ganz gewiss nicht mehr detailsicher, wenn ich über dieses Buch schreibe, aber ich erinnere mich noch gut an das Gefühl der Beklemmung. Das Buch tut weh, und das muss es auch. Es ist die einzige Art und Weise, wie man Azas Zustand auch nur ansatzweise aufs Papier bringen kann. Auch hier gilt, Vorsicht zu walten – wenn es um die Beschreibung von Azas Anxiety und OCD geht, nimmt John Green kein Blatt vor den Mund.

Und nicht zuletzt liebe ich dieses Buch, weil es mir ein Mantra beschert hat: Your now is not your forever.

Bitch Doctrine von Laurie Penny

Viele der Essays dieser Sammlung drehen sich um US- oder UK-spezifische Themen, aber der Rest … meine Güte, der Rest hat mich auf eine Art und Weise beeinflusst, die ich nicht für möglich gehalten hätte.

Ich habe erstmalig einen Artikel von Penny in einem Seminar gelesen und mich in die Art und Weise, wie sie über Feminismus schreibt, verliebt. Da bildet die Bitch Doctrine keine Ausnahme, und gerade die Essays über Beziehungen waren augenöffnend für mich.

Circe von Madeline Miller

Wenn möglich, ist dieses Buch noch besser als The Song of Achilles. Wie Miller von Circes Leben erzählt, ist einfach großartig – so zeitlos und gleichzeitig weltbewegend, zusammengestückelt aus vielen Einzelbegegnungen und doch ein monumentales Ganzes. Wunderschön und brutal.

Bestseller von Beka Adamaschwili

Da ist es also, das beste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, das, an welches ich regelmäßig zurückdenke. Bestseller ist gewiss kein Buch, das eine breite Masse anspricht, es ist voller literarischer Anspielungen und auf mehreren Ebenen verstrickt.

Gleichzeitig sitzt jeder Satz, der Humor ist einfach großartig und die Art und Weise, wie die Narrative zusammengeflochten wurde, fasziniert mich unendlich. Wirklich großartig!


Tja, da ist mein 2018, heruntergebrochen auf einen für meine Verhältnisse überschaubaren Beitrag. Für 2019 habe ich mir mein übliches Ziel von 50 Büchern vorgenommen, aber ich will einfach … bewusster lesen. Bewusster entscheiden, was ich lese. Vielleicht ein bisschen wählerischer und ein bisschen überlegter werden. Schreibtechnisch habe ich mir vorgenommen, endlich Höher der Aufstieg zu beenden, an dem ich schon viel zu lange schreibe.

Puh. Dann schauen wir mal, was 2019 bringt.

Wie war euer (Lesejahr) 2018? 👩🏼‍💻

2 Kommentare

  1. Hey du 🙂

    Dass dein Rückblick etwas später kommt, passt mir eigentlich viel besser, also alles gut 😬. Gerade komme ich sowieso kaum hinterher, aber heute Abend sitze ich mal wieder daran, die Blogposts aufzuholen!

    Dein Jahr 2018 klingt echt cool und abwechslungsreich, aber wie du sagst auch echt anstregend. Ich hoffe, 2019 wird da besser. Ich habe mir für das Jahr auch vorgenommen, mich weniger zu stressen (denn ich selbst bin viel schlimmer als der tatsächlich Stress 🙄), aber das ist natürlich immer einfacher gesagt als getan.

    Dein Lesejahr war ja auch wirklich sehr erfolgreich und ich liebe Statistiken! Gerade die Entwicklung bei den Genres und Non-Fiction-Büchern finde ich spannend, weil ich dieses Jahr ja auch mehr non-fiction lesen möchte. Ich bin mal gespannt, wie das klappt!

    Und don’t mind me während ich mal wieder alle deine Favoriten auf meine Wunschliste schiebe (zwei davon habe ich ja immerhin schon) 😀

    Alles Liebe und noch ein Happy 2019!
    Aileen

    1. Liebe Aileen,

      ohh, dass der eigene Stress schlimmer ist als der „wirkliche“ Stress ist einfach ZU wahr 😬 Aber der erste Schritt ist, das zu erkennen – ich wünsche dir also, dass du dieses Vorhaben Stück für Stück umsetzen kannst!

      Danke, ich liebe meine Statistiken auch immer ein bisschen zu sehr 😀 Was Non-Fiction anbetrifft, war ich auch positiv überrascht, es ist wirklich schön, sich da auszuprobieren. Bin gespannt, wie sich das bei dir entwickelt!

      Ich hoffe, du bist auch so weit gut in das neue Jahr gestartet! 🙂

      Alles Liebe
      Isabella

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