[Rezension] Bruderliebe – Stefanie Heindorf und Kathrin Lange

Wie Rapunzel lebt Theresia schon seit vielen Jahren – abgeschottet von der Außenwelt, selten Kontakt zu den Menschen da draußen. Sie schiebt es auf die Fürsorge ihrer Stiefmutter, doch trotzdem wächst der Wunsch in ihr heran, das Leben da draußen zu erforschen und hinter den Grund dieser „Fürsorge“ zu kommen… Als sie ihre Stiefmutter Henriette überreden kann, für ein Mal mit in einen Gottesdienst kommen zu dürfen, trifft sie prompt auf Sebastian und verliebt sich in ihn. Damit nimmt das Drama seinen Lauf…
Ich habe diese Rezension eine Weile vor mir hergeschoben, muss ich ehrlich zugeben. Denn ich möchte, um das gleich vorneweg zu nehmen, „gestehen“, dass das Buch für mich einfach ein totaler Genrefehlgriff war und daher schon schwer bei mir eine volle Bewertungspunktzahl erhalten zu können.
Ich muss auch zugeben, dass ich hier wieder gleich von Anfang an ein wenig skeptisch war: Das Buch ist nämlich von zwei Autoren geschrieben, noch dazu zwei deutschen. (Dass ich ein wenig „vorbelastet“ bin, hatte ich ja schon mal erwähnt.)
Allerdings ist zumindest die „Mischung“ der Autoren gut gelungen. Ich jedenfalls habe das ganze Buch über keine Stilunterschiede gemerkt; es hätte also genauso gut ein Autor sein können und mir wäre es wohl nicht aufgefallen…
Ansonsten schleppt sich der Anfang ziemlich. Die ganze Situation um Theresia, ihr Kokon und auch die anderen Charaktere werden sehr, sehr langsam und ausführlich eingeführt. Das empfand ich persönlich als zu lang und gestreckt und sehr nervig – ich wollte endlich, dass etwas passiert! Wo bleibt dieser Sebastian, der im Klappentext angepriesen wird? Und wo zur Hölle bleibt die Intrige?
Sieht man davon ab, ist es auch von Anfang an ziemlich historisch: Die Sprache ist stilecht und sicher gut der Zeit damals nachempfunden, und das wird auch wirklich konsequent durchgezogen. Man kann also nicht behaupten, dass sich die Autorinnen nicht gut informiert und sich in der Hinsicht keine Gedanken gemacht hätten.
Als die Geschichte dann endlich Fahrt aufnimmt, wird es gleichzeitig sowohl schockierend als auch spannend. Ich merkte also, dass es auch anders geht! Denn sobald die Einführung vorüber war, flogen die Seiten an mir nur so vorbei und ich wollte auch wirklich wissen, wie es nun mit Sebastian und Theresia weiterging.
Die Geschichte wird nicht nur aus Theresias, sondern auch aus der Perspektive von zahlreichen anderen Nebencharakteren erzählt. Das bringt mich doch leider zu meinem nächsten Manko – dadurch wird die Geschichte selbst stellenweise sehr vorausschaubar und besonders den Grund, warum Henriette Theresia so „einsperrte“, kannte ich schon ziemlich schnell…

Nicht nur das machte mir das Buch etwas leidig, sondern wie gesagt auch schon die Tatsache, dass ich mich etwas im Genre vergriffen hatte. Ich empfand das Buch außerdem als ziemlich distanziert und konnte mit den Charakteren nicht ganz so sehr mitfiebern, wie ich wollte, weiß aber nicht, ob das jetzt mit dem Genre zusammen hängt oder an dem Buch selbst liegt…

Die Charaktere sehe ich zusätzlich ziemlich zwiegespalten. Denn – und der Ausdruck tut mir leid, aber das ist die pure Wahrheit – Theresia ist eine ziemlich…. nun ja, doofe Protagonistin. Und ich meine das nicht im dem Sinne von „mäh ich kann sie nicht leiden“ sondern mehr in dem Sinne, dass sie einfach naiv ist. Von vorne bis hinten. Ich weiß nicht, wie oft ich das Mädchen gerne geschüttelt hätte oder es angebrüllt, weil sie gewisse Dinge einfach nicht geschnallt hat, obwohl sie wirklich mehr als offensichtlich waren.
Sebastian hingegen hat mir schon besser gefallen und auch sein Bruder, der wirklich ein übler Kerl ist, ist letzten Endes gut gelungen. Leider reichte das nicht aus, damit das Buch zu einem Vergnügen wurde…
„Bruderliebe“ war für mich nicht nur ein Genre-Fehlgriff, denn ich hatte auch massive Probleme mit der naiven Protagonistin und der zu Anfang ziemlich schleppenden Geschichte, die stellenweise einfach total durchschaubar war… Ähnlichkeiten mit Rapunzel? Ja, aber ich mag das Original lieber.
Was mich jetzt noch interessieren würde – ist das euch auch mal passiert? Dass ihr zu einem komplett falschem Genre gegriffen habt?

Titel: Bruderliebe
Taschenbuch: 316 Seiten
Verlag: Dryas
Reihe: –
Preis: 12,95€
Kaufen?

Vielen Dank an Blogg dein Buch und den Dryas Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

1 Kommentar

  1. Ja, ich habe mal ein Genre gegriffen, was ich eigentlich nicht mag (Fantasy) aber ich muss sagen, dass mich sas Buch im seinem Verlauf sehr überzeugen konnte.. also manchmal hat so ein Fehlgriff auch seine guten Seiten (Wortwitz ^^)

    Aber nach deiner Rezension würde ich jetzt auch nicht mehr zu diesem Buch greifen .. ist einfach gut die Meinung anderer vorher zu lesen .. da er apart man sich einfach das durchquälen ^^

    Liebst, Lotta

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