[Rezension] Frostblüte – Zoë Marriott

Frost lebt ein Leben als Außenseiterin. Wie eine Außgestoßene lebt sie einsam, sucht Arbeit für ein paar Tage und zieht dann weiter. Sie lässt dabei niemanden an sich heran, hat nur das Ziel vor Augen, was sie ihrer Mutter vor dem Tod versprochen hat: die heilige Urmutter zu finden. Denn Frost hat ein dunkles Geheimnis.
Als sie von Soldaten aufgegriffen wird, die das Königreich beschützen, trifft sie auch auf Luca. Luca erweckt in ihr Gefühle, die sie nie erträumt, nie zugelassen hat. Doch kann sie das zulassen?

Von Frostblüte hatte ich ehrlich gesagt keinen Plan, was ich erwarten sollte. Und auch als ich zu lesen begann, bekam ich nicht wirklich so mit, was Frosts Problem denn sein sollte. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich sogar anfangs ein ziemlich deutliches Bild einer Katniss-Abklatsche vor Augen und war skeptisch, wohin die Geschichte führen würde. Denn wie Frost so durch die Wälder streift und ein Nomadenleben führt, ein Mädchen ist, das eine Waffe führt und auch ziemlich stur und verschlossen sein kann, hat sie schon einige gute Eigenschaften von Katniss.
An der Stelle hören allerdings sowohl charaktertechnisch als auch inhaltlich die Parallelen auf, denn Frost ist für mich bis zum Ende eine Protagonistin geblieben, der ich nicht sonderlich gerne begegnet wäre. Sie hatte es seit ihrer Geburt nicht einfach, denn ihre Mutter behandelte sie nicht gut und gab ihr die Schuld an einigen Dingen, für die sie nichts konnte. Zusätzlich kommt ihre Eigenart, ihr dunkles Geheimnis hinzu, und ich kann es wirklich verstehen, dass Frost am Ende so ist, wie sie ist. Dennoch kam ich mit ihrer abweisenden, sehr sprunghaften Art nicht klar. Bleiben – nicht bleiben? Weglaufen – oder doch lieber nicht? Mensch, Frost, entscheide dich mal! Ich hätte ihr gerne öfters mal zugeschrien, dass sie einen freien Willen hat und nicht immer hin und her hüpfen muss und was weiß ich noch alles tun braucht. Dieses Harte, das man am Anfang noch spürt, dieses Feuer, das sie hätte entwickeln können – das erlischt leider, als Frau Marriott mehr von ihr zu erzählen beginnt. Sie knickt ein – wird einfach weichlich, das taffe Mädchen, das sie hätte sein können, geht verloren. Fand ich sehr schade.
Luca, der männliche Part der Geschichte, ist auch ein Charakter, mit dem ich zwar anfangs besser klar kam, der aber eine mehr als unrealistische Entwicklung hinlegte. Zu Beginn war Luca der Gutmut in Person – er fing Frost auf, war der perfekte Kerl – logisch, dass sie sich in ihn verliebt. Das, was er sagte, und woran er glaubte, das hat mir gefallen. Doch im Verlauf der Geschichte schlägt sein Charakter ins krasse Gegenteil um – und das ist zu übertrieben geworden.
Ein dritter Charakter, den man nicht unterschlagen darf, ist Arian – mein persönlicher Lieblingscharakter. Arian ist von Anfang an knallhart, und bei ihm zieht die Autorin auch das ganze Buch über durch. Arian hat Geschichte, etwas, das ihn zu der Person macht, die er heute ist, und er ist wirklich gut gelungen!
Die Storyhandlung selbst ist etwas… nun ja. Die Idee, die Zoe Marriott ursprünglich hatte, gefällt mir auf jeden Fall sehr, sehr gut. Dennoch ist die Umsetzung in meinen Augen nicht ganz ausgereift – die Völker, die Uskaand zum Beispiel, die werden zwar alle grob umrissen, aber irgendwie scheinen sie hinter einer Milchglasscheibe zu sein, und es wird das ganze Buch über dem Leser nicht möglich gemacht, hinter diese Scheibe zu schauen.
Immerhin der Schreibstil macht es gut möglich, der Geschichte einigermaßen zu folgen, auch wenn ich nicht selten verwirrt wegen Eigennamen oder von der Autorin erfundenen Bezeichnungen war. Ein Glossar wäre hier nötig gewesen…
Dennoch war das Buch nicht schlecht! Vor allem zum Showdown hin wurde es ziemlich spannend, und ich bin mir sicher, dass man einiges mehr daraus hätte machen können. Wahrscheinlich ist es letzten Endes einfach ein bisschen schade.

„Frostblüte“ ist leider nur ein mittelmäßiges Buch, das eine großartige Idee hat, bei der es ein wenig an der Umsetzung hapert. Ich konnte mich nicht mit allen Charaktern anfreunden und auch die ganzen Eigennamen sind etwas verwirrend – dennoch ist das Buch überwiegend sehr spannend. Am besten – selber reinlesen!

Vielen Dank an den Carlsen Verlag und an Blogg dein Buch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Titel: Frostblüte

Softcover: 464 Seiten
Verlag: Carlsen
Reihe: –
Preis: 14,99€
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