[Kurzrezensionen] Ein Empfehlungs-Terzett

American Gods – Neil Gaiman
Worum geht’s?

Um den Gefängnisinsassen Shadow, der drei Tage früher als geplant entlassen wird, weil seine Frau in einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Auf dem Heimweg begegnet er Wednesday, der ihm ein ungewöhnliches Jobangebot macht. Shadow akzeptiert, und begibt sich auf eine ungewöhnliche Reise durch Amerika, wo er nicht nur alten und neuen Göttern gleichermaßen begegnet, sondern auch in einen Krieg hineingezogen wird…
Meine Meinung
Ich weiß nicht, wie’s euch geht, aber in den letzten Monaten bin ich immer öfter über Neil Gaimans Namen gestolpert, und er wurde ausschließlich gelobt, so sehr, dass ich fast schon mit Ehrfurcht an American Gods heranging. Ich las letztlich über zwei Wochen an dem Buch, konstant hin- und hergerissen zwischen „Das ist purer Wahnsinn“ und „Das ist wahnsinnig genial“.
Neil Gaiman kann schreiben, das steht vollkommen außer Frage. Und American Gods hat nicht umsonst Preise aus den verschiedensten Genres gewonnen – das Buch ist unmöglich zu kategorisieren, sein Inhalt kaum zu fassen. Man muss sich auf etwas wirklich Kurioses einlassen, das sich oftmals auf einer Metaebene abspielt. Vor allem bietet American Gods keine Interpretationen an; entweder man schafft es als Leser, einen Sinn aus dem Geschehen zu machen, oder scheitert gnadenlos.
Was für ein seltsames Buch, dachte ich mir, als ich es ausgelesen hatte. Und stellte fest, dass es mir irgendwie echt gut gefallen hatte.

Gods die. And when they truly die they are unmourned and unremembered. Ideas are more difficult to kill than people, but they can be killed, in the end.
(American Gods, Neil Gaiman)

American Gods ⚬ 674 Seiten ⚬ Einzelband ⚬ William Morrow ⚬ ca. 1,89€ (eBook)

What’s a Girl Gotta Do? – Holly Bourne
Worum geht’s?

Um Lottie, die eines Tages die Schnauze voll hat: Von nun an wird sie jedes bisschen Sexismus im Alltag herausfordern. Denn wie kann man große Dinge im Leben ändern, wenn man die kleinen ignoriert? Doch was als Experiment beginnt, wird größer und größer – und die Reaktionen sind nicht nur positiv…
Meine Meinung
Oh. Mein. Gott.
Ich habe Am I Normal Yet? und How Hard Can Love Be? von Holly Bourne geliebt. Aber die beiden verblassen gegen What’s a Girl Gotta Do? regelrecht. Ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen, bis in die Nacht hinein gelesen, weil Lotties Geschichte mich einfach dermaßen gefesselt hat.
Zum einen hat mir Holly Bourne mit dem Buch gezeigt, wie viel Sexismus wirklich in unserem Alltag steckt, und wie viel wir nicht einmal mehr als Sexismus erkennen; darüber hinaus habe ich einfach Lottie als Protagonistin vergöttert. Ich habe sie so unglaublich bewundert – sie ist nicht nur stark, sondern beweist auch ein gewaltiges Durchhaltevermögen und steht immer wieder für ihre Werte gerade.
Ebenfalls geliebt habe ich William, der Lotties Aktion filmt, und zwischen den beiden es zu knistern beginnt: Wisst ihr, wie genial es ist, wenn die Protagonistin dem potentiellen Loveinterest erklärt, was er für sexistische Dinge von sich gibt?! 😀 Ich habe gelacht, geweint, gejauchzt und mich um Lottie gesorgt. Obwohl alle drei Bände unabhängig voneinander gelesen werden können,  war What’s a Girl Gotta Do? für mich ein grandioser Abschluss, mit dem es Bourne gelungen ist, nicht nur Lotties Geschichte, sondern auch die von Evie und Amber zu einem befriedigenden Ende zu führen. Einfach grandios!

[…] it’s much easier to pick holes in other people’s beliefs than identifying and fighting for your own.
(What’s a Girl Gotta Do?, Holly Bourne)

What’s a Girl Gotta Do? ⚬ 418 Seiten ⚬ kann als Einzelband gelesen werden ⚬ Usbourne Publishing ⚬ ca. 2,76€ (eBook)

The Changeling’s Journey – Christine Spoors
Worum geht’s?

Um Morven, ein Wechselbalg, die sich mit ihrem besten Freund Glen auf ein Abenteuer begibt, in der Hoffnung, herauszufinden, warum die Feen die Wechselbälger erschaffen, und ob es eine Möglichkeit gibt, ihr Leben zu verlängern.
Außerdem wird die Geschichte der Prinzessin Freya erzählt, der unter der Tyrannei ihres Vaters ihre Geliebte entrissen wird; und die Geschichte der Königin Euna, die mehr Zeit in der Vergangenheit als in der Gegenwart verbringt.
Meine Meinung
Ich folge dem Bookstagram-Account der Autorin (@weereader) schon seit Jahren, und als ich herausfand, dass sie ein Buch selfpublishen würde, war ich echt neugierig – ich meine, die Aufmachung ist fantastisch! Da mich die Leseprobe nicht mehr losließ, musste ich das eBook einfach kaufen.
Letztendlich war ich nicht restlos begeistert, aber auch nicht enttäuscht. Das Grundgerüst von Spoors Geschichte ist genial, und ihr Schreibstil in seiner Einfachheit unglaublich elegant. Auch versprühen die weiblichen Charaktere unglaublich viel Ladypower, und es ist erfrischend, eine Geschichte zu lesen, die sich vorrangig um eine Reise bzw. ein Abenteuer dreht. Spoor, die aus Schottland kommt, hat beim Erschaffen von Morvens Welt viele Folklore-Elemente und bekennende Merkmale ihrer Kultur eingebaut, was mir unglaublich gut gefallen hat!
Jedoch gibt es ein paar Mankos, die ich nicht außen vor lassen kann. Eines ist die Rechtschreibung – auf jeder Seite finden sich mindestens zwei bis drei Rechtschreibfehler, meistens mehr. Damit meine ich vorrangig, dass die Punkt- und Kommata-Setzung völlig falsch ist. Spoors hat auf Instagram vor ein paar Tagen angemerkt, dass sie kein Geld hatte, um sich eine professionelle Prüfung zu leisten, aber das ist mMn keine Entschuldigung – ich spreche hier wirklich von Dingen, die man leicht hätte merken und beheben können, wie z.B. (erfunden) ‚“The weather is lovely.“ he said.‘
Darüber hinaus gibt es noch einige… ich will nicht sagen, Anfängerfehler, aber man merkt auf jeden Fall, dass es ihr Debüt ist. Da gibt es Logiklücken, und der Plot ist stellenweise nicht kohärent, und Charaktere treffen Entscheidungen, die schlichtweg keinen Sinn machen. Gerade zum Ende hin wird alles ziemlich chaotisch.
Dennoch ist The Changeling’s Journey im Großen und Ganzen gelungen; besonders schön ist, dass Spoors nicht nur LGBT+ Charaktere inkludiert, sondern eine Welt geschaffen hat, in der jede sexuelle Orientierung normal ist und akzeptiert wird. Darüber hinaus finde ich, dass Indie-Autoren oft viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, was sich gern ändern darf! Wer an einer ausführlicheren Meinung interessiert ist, kann gerne noch meine Rezension auf Goodreads lesen.
The Changeling’s Journey ⚬ 333 Seiten ⚬ Einzelband ⚬ 3,99€ (eBook)

3 comments / Add your comment below

  1. Hallöchen! Diese Bücher klingen aber alle sehr lesenswert! Vor allem Whats a Girl gotta do werde ich mir auf jeden Fall holen, das klingt genau nach meinem Geschmack! Danke! Grüsschen Elodie

  2. Jetzt machst du mir richtig Lust auf "American Gods" :D! Das habe ich mir nämlich neulich gekauft; ehrlich gesagt hauptsächlich, weil ich die Serie gucken wollte, aber davor natürlich das Buch lesen will. Ich kann mir darunter auch so gar nichts vorstellen und bin mal sehr gespannt, was mich erwartet. Bisher kenne ich von Gaiman nur "Stardust" und das hat mich leider etwas enttäuscht, obwohl ich da auch schon gemerkt habe, dass der Mann definitiv schreiben kann.

    Uuuund ich glaube, die Bücher von Holly Bourne wandern mal auf meine Wunschliste. Feminismus ist ein Thema, das mir total wichtig ist, und als ich neulich in einem Buch darüber einen Abschnitt über Alltags-Sexismus gelesen habe, ist mir auch aufgegangen, wie oft wir im Alltag eigentlich Sexismus begegnen und nie etwas sagen, weil wir es gar nicht als solchen wahrnehmen.
    Danke für die Empfehlung!

    Viele Grüße 🙂
    Charlie

  3. Gern geschehen! 🙂 Ehrlich gesagt, bin ich nie über die erste Folge der Serie hinausgekommen, aber vielleicht gefällt sie dir ja besser! Und viel Spaß mit dem Buch – es ist wirklich herrlich skurril. Schade, dass dir Gaimans anderes Buch nicht so gut gefallen hat :/ Ich überlege auch noch, welches von ihm ich als nächstes lesen soll.

    Unbedingt! Ich kenne bisher nur ihre Spinster Club-Trilogie (Am I Normal Yet? etc.), aber die ist einfach so klasse! Gerade, weil Freundschaft und Feminismus so große Rollen dabei einnehmen. Und das, was du mit dem Alltagssexismus beschreibst, kann ich so gut nachvollziehen – ohne Bournes "What's A Girl Gotta Do?" wäre mir das alles auch niemals so bewusst geworden. Es ist schon verrückt, was wir alles als normal abstempeln.

    Alles Liebe,
    Isabella

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