[Rezension] Aquila – Ursula Poznanski

Inhalt

Eines Tages wacht Nika auf, um festzustellen, dass ihr die Erinnerung an die letzten zwei Tage komplett fehlt. Ihre Kleidung ist verschmutzt, Handy, Pass und Wohnungsschlüssel fehlen. Zurück bleibt eine Warnung an ihrem Badezimmerspiegel und eine mysteriöse Liste, die in ihrer eigenen Handschrift verfasst ist. So beginnt eine Spurensuche in Siena, wo Nika ihr Auslandssemester macht…

Meine Meinung

Nachdem Poznanskis Elanus weniger mein Fall war, habe ich mich umso mehr darüber gefreut, im Rahmen der Leserunde auf Lovelybooks ein Rezensionsexemplar von Aquila gestellt zu bekommen. Die Prämisse klang einfach genial: eine Erinnerungssuche in der italienischen Stadt Siena.
Und auch das Buch geht vielversprechend los. Poznanski fackelt nicht lange und wirft den Leser direkt ins Geschehen, das Buch beginnt mit Nikas Aufwachen und schnell wird alles noch verwirrender, mysteriöser und gefährlicher. Die ersten 150 Seiten waren toll, denn genauso wie Nika tappt man vollkommen im Dunkeln, und als immer mehr Fragen aufgeworfen werden, stellt man sich als Leser auch die Frage, wie das alles aufgelöst werden soll.
Nach diesem grandiosen Auftakt begann die Geschichte etwas zu stocken, indem sie immer wieder um dieselben Fragen kreiste und nicht wirklich Antworten gab. Ab diesem Punkt nahmen auch meine Probleme mit Nika zu. Zum einen, weil sie sich – aber das ist wohl eine Protagonistenkrankheit – immer öfters Hals über Kopf in unsinnige Gefahren begab; andererseits hatte ich aber auch nicht das Gefühl, sie wirklich zu kennen. Sie wird dürftig charakterisiert: mit ihrem Stiefvater kommt sie nicht klar, in Deutschland hat sie eine beste Freundin, und ihr Studium mag sie nicht wirklich. Außerdem hat sie sich nicht richtig bemüht, Italienisch für ihr Auslandssemester zu lernen. Es wird nicht verraten, was sie wirklich gern macht, was sie bewegt; sie erwägt nicht einmal, ihre beste Freundin anzurufen und ihr von dem Schlamassel zu erzählen, in dem sie immer tiefer versinkt.
In der Leserunde hat jemand angemerkt, dass das in dem Kontext nicht wichtig sei – schließlich geht es um die Suche nach Nikas Erinnerungen. Ich hingegen glaube, dass es Geschmackssache ist. Ich persönlich würde mir lieber etwas mehr Zeit nehmen, meine Protagonistin kennenzulernen, damit ich mit dieser auch richtig mitfühlen kann.
Grundsätzlich ist mein größter Kritikpunkt an Aquila eben das Zwischenmenschliche. Ich will hier keine Namen nennen oder spoilern, aber so viel sei gesagt: Im Laufe des Buches bahnt sich eine Liebesgeschichte an, die vollkommen an den Haaren herbeigezogen und nicht nur total unrealistisch ist, sondern auch rein moralisch betrachtet haarspaltend ist. Ebenfalls am Rande wird eine Betrugsgeschichte erwähnt, die von der Betrogenen einfach mit einem Achselzucken abgewunken wird. Paart das mit ein paar absurden Kommentaren, und ihr könnt euch vorstellen, wie frustriert und wütend ich am Ende des Buches war. Was die Charaktere anbetrifft, gibt es wirklich keinen in Aquila, der mir nur ansatzweise sympathisch war. Selbst über Nika konnte ich letztendlich nur den Kopf schütteln.
Auch die Auflösung hat mir weniger gut gefallen. Wir verbringen so viel Zeit mit der Spurensuche, dass das Verbinden der einzelnen Hinweise einerseits total konstruiert wirkte, andererseits auch einfach im Kontext… unrealistisch war? Und irgendwie wieder nichts Neues. Ich hatte das Gefühl, dass Poznanski in Aquila viele Möglichkeiten, das Buch origineller zu gestalten, verpasst hat. Sehr schade.
Kurzum: Aquila hat vielversprechend begonnen, aber die Charaktere, die verworrene Spurensuche und die an den Haaren herbeigezogene Auflösung haben mir das Lesevergnügen ziemlich vermiest. Nachdem ich schon Elanus tendenziell enttäuschend fand, war das vorerst mein letzter Poznanski. Ich glaube mittlerweile einfach, dass es schwer ist, an Erebos und Saeculum anzuknüpfen; vielleicht habe ich auch einfach zu hohe Erwartungen. Aquila konnte in meinen Augen nicht erfüllen, was es verspricht.

Fazit

Aquila klingt vielversprechend mit Nikas Suche nach ihren Erinnerungen im italienischen Siena. Leider kann das Buch nur im ersten Viertel überzeugen und ist danach mit blassen Charakteren, die sich teils empörend verhalten, und einer arg konstruiert wirkenden Auflösung eher schwach. Sehr enttäuschend – von mir gibt’s keine Leseempfehlung.
Vielen Dank an Lovelybooks und an Loewe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Aquila ⚬ Broschur: 432 Seiten ⚬ Einzelband ⚬ Loewe ⚬ 16,95€*

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8 comments / Add your comment below

  1. Ach schade!

    Das Buch hatte sich echt toll angehört. Mir ist es in letzter Zeit leider öfter passiert, dass Bücher nach den ersten 100 – 150 Seiten deutlich an Qualität abgenommen haben (zuletzt Apocalypse Now Now).

    LG Sina

  2. Hallöchen Isabella 🙂

    Ich habe gerade deinen Blog entdeckt, du hast bei mir ab und an kommentiert (everyones-a-book.blogspot.de) und ich stöbere gerade etwas. Deinen Blog musste ich einfach unter meine Blogging Friends setzen, ich hoffe das ist okay 🙂 Außerdem schreibe ich gerade an einem Beitrag, der womöglich heute noch online geht und auf dem ich deine Rezension verlinken werde, wenn du möchtest.

    Liebe Grüße,
    Nadine♥

  3. Hallo Isabella!
    Das ist eine sehr schöne Rezension! Schade, dass "Aquila" nicht so toll ist. Ich bin normalerweise ein großer Fan von Poznanskis Büchern, doch vor allem in letzter Zeit reizen mich ihre Jugendthriller etc. nicht mehr so sehr. Wie du schon gesagt hast: Es ist halt schwer an Erebos heranzukommen.
    Liebste Grüße,
    Denise

  4. Hallo Isabella

    Ich bin gerade auf Deine Rezi zu "Aquila" gestoßen und die Bewertung ist ja nicht so doll. Ich wollte das Buch nächsten Monat lesen, mal sehen, wie es mir gefällt 🙂

    Grüße, Sabrina

  5. Liebe Sina,

    es ist wirklich schade! :/ Von Pozanski bin ich einfach Besseres gewöhnt. Tut mir leid, dass du ähnliche Erfahrungen gemacht hast. Von dem Buch habe ich auch schon öfters gehört, dem bleibe ich wohl jetzt lieber fern…

    Alles Liebe,
    Isabella

  6. Liebe Denise,

    vielen Dank! <3 Genau so geht es mir eben auch. Sollte sie in der Zukunft noch mal ein Buch veröffentlichen, dessen Idee wieder ähnlich innovativ wie Erebos ist, werde ich es vielleicht noch mal versuchen… aber aktuell bin ich echt abgeschreckt. 🙁

    Alles Liebe,
    Isabella

  7. Ohh, das klingt ja gar nicht so toll, wie ich es mir erhofft hatte… schade. Ich werde mal überlegen, welches Buch ich als nächstes von ihr lese, aber irgendwas möchte ich auf jeden Fall noch von ihr lesen!
    LG Katharina

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