Lesemonate Januar und Februar 2019

Sowohl die Anzahl der Beiträge auf dem Blog für dieses Jahr als auch die Tatsache, dass ich die letzten zwei Monate in einem Post zusammenfasse, sprechen für sich. Erst Prüfungsphase, aktuell die forderndste Hausarbeitenphase meines Studiums und größere Veränderungen in meinem Privatleben zu Jahresbeginn haben dazu geführt, dass ich „so wenig“ gelesen habe wie schon lange nicht mehr. Ich sage das nicht wertend – ich bin von mir selbst einfach viel mehr gewohnt und es fühlt sich seltsam an, das ist alles. Vor allem, weil sich mein Kaufverhalten nicht wirklich verändert hat und ich überproportional viele Bücher ansammle, hurra. Jetzt ist irgendwie schon März und ich versuche einfach, alles auf die Reihe zu kriegen, bevor es dann auf die LBM und hoffentlich eine ordentliche Menge Büchermenschen knuddeln geht – hach!

Im Januar und Februar sind bei mir insgesamt zehn gelesene Bücher zusammengekommen:

1) Das Känguru-Manifest – Marc Uwe Kling (4/5)
In meinem Freundeskreis sind sich eigentlich alle einig, dass der zweite Teil der stärkste ist, mir hat er ähnlich gut gefallen wie der erste: Der Plot sagte mir um einiges mehr zu, da er kohärenter und generell präsenter ist, aber der Humor konnte mich nicht durchgehend packen. Da Teil 3 auch schon bereitliegt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich den lese.

2) Lady Audley’s Secret – Mary Elizabeth Braddon (4/5)
Zweifellos die unterhaltsamste Unilektüre, die ich jemals gelesen habe. Ich war anfangs sogar ziemlich sicher, dass es ein fünf-Sterne-Buch werden würde, aber die Handlung war mir letztendlich ein wenig zu repetitiv. Lady Audley’s Secret war für die Viktorianer was für uns heute die Groschenromane, die man am Bahnhof kaufen kann, sind, aber ich für meinen Teil bin immer noch mehr als positiv überrascht, wie spannend es war.

3) Der gute Mensch von Sezuan – Bertolt Brecht (4/5)
Und noch eine Unilektüre! Von den sechs Stücken Brechts, die ich im Rahmen meines Seminars gelesen hatte, ist es mit Abstand mein liebstes. Die Geschichte hat mich um einiges mehr berührt als ich erwartet hatte.

4) Giants: Die letzte Schlacht – Sylvain Neuvel (3/5) Rezensionsexemplar
Leider ein tendenziell enttäuschender, wenn auch runder Abschluss.

5) Cat Person – Kristen Roupenian (3,5/5)
Diese Kurzgeschichtensammlung reizte mich, seitdem Liesa davon berichtet und ich aus Neugier Cat Person, die Kurzgeschichte, die diesen Band in Bewegung setzte, gelesen hatte. Und ich war alles andere als enttäuscht. Natürlich gab es ein paar Kurzgeschichten, die mir weniger gut gefallen haben als andere, aber im Großen und Ganzen könnte diese Sammlung nicht bizarrer, abwechslungsreicher, abstoßender und anziehender sein. Leseempfehlung – wenn ihr euch traut, in diverse Abgründe zu blicken.

6) Let’s Talk About Love – Claire Kann (4/5)
Let’s Talk About Love ist das erste Buch über eine asexuelle Protagonistin, das ich jemals gelesen habe, und jetzt will ich mehr. Man „liest“, dass es ein Debüt ist (Schreibstil ein bisschen zu plakativ, Nebencharaktere könnten besser ausgearbeitet sein), aber im Großen und Ganzen ist es ein so positives, absolutes Wohlfühlbuch, dass ich es uneingeschränkt weiterempfehlen würde (erst recht, um den Horizont zu erweitern – Kann hat erstklassig recherchiert).

7) Ein wirklich erstaunliches Ding – Hank Green (3/5) Rezensionsexemplar
Hat mir gut gefallen, aber längst nicht so sehr begeistert wie erhofft.

8) Alles, was ich weiß über die Liebe – Dolly Alderton (3/5) Rezensionsexemplar
Auch über dieses Buch hatte ich vor dem Lesen viel Gutes gehört. Es hat mich gut unterhalten, mehr aber nicht, und mir nicht wirklich nachhaltig etwas mitgegeben.

9) Queer: Eine illustrierte Geschichte – Meg-John Barker und Julia Scheele (5/5)
Wenn ihr aus diesem Beitrag neben Let’s Talk About Love nur ein Buch mitnehmt, dann dieses: Queer hat mich so nachhaltig geprägt wie kaum ein anderes Buch, ich sehe die Welt jetzt mit anderen Augen (so pathetisch das auch klingen mag). Barker und Scheele fassen die Geschichte der Queer Theory zusammen, bei welchen ForscherInnen sie ihren Anfang nahm und welche Auswüchse sie heutzutage annimmt. Komplizierteste Konzepte sind auf wenige Seiten heruntergebrochen, die LeserInnen werden immer wieder dazu aufgefordert, ihre eigenen Erfahrungen und Verhaltensmuster zu reflektieren – großartig. Wirklich großartig. (So sehr, dass ich in sämtlichen Hausarbeiten dieses Semesters immer wieder auf diverse dort vorgestellte Theorien zurückkomme.)

10) Nineteen Eighty-Four – George Orwell (3/5)
Eines dieser Bücher, das seit ewig und drei Tagen auf meinem SuB lag. Ich bin froh, es gelesen zu haben, weil es einfach immense Bedeutung für unsere Gegenwart hat, aber es hat mich nicht vollkommen umgehauen. Winstons latente Misogynie war anstrengend, die theoretischen Diskussionen zogen sich oft in unverschämt anstrengende Längen und das Ende hat mich auch nicht überrascht und/oder umgehauen. Dennoch fand ich den Gesellschaftsentwurf unglaublich faszinierend, insbesondere die linguistischen Ansätze, die Orwell einbringt.

Das macht für die zwei Monate 3410 Seiten, ein historischer Tiefpunkt (hehe), und etwa 58 Seiten pro Tag, aber ich sag’s euch, ich hab ungefähr genauso viel Sekundärliteratur in der Zeit gelesen. Ach. Ich kann das Ende dieses Monats kaum abwarten. Ich schreibe für mein Leben gerne Hausarbeiten, aber nicht unter diesem Zeit- und Leistungsdruck.

Keine Ahnung, was der März mit sich bringen wird – sowohl The Vanishing Stair von Maureen Johnson als auch Song of Sorrow von Melinda Salisbury sind auf dem Weg zu mir, zwei Fortsetzungen, auf die ich mich riesig freue. Aber seien wir ehrlich: Selbst Queen of Air and Darkness und King of Scars liegen noch ungelesen bei mir herum, aaalso … wird das vermutlich so schnell nichts. Was soll’s. Bücher laufen ja nicht weg.

Wie waren denn eure Lesemonate Januar und Februar? Was hab ich so verpasst? 😅👩🏼‍💻

8 Kommentare

  1. Das mit der forderndsten Hausarbeitsphase des Studiums kann ich so unterschreiben, ich leide mit dir 😀
    Und ich bin etwas neidisch, weil es für dich bald auf die LBM geht, was bei mir dieses Jahr dank Praktikum mal wieder nicht passte und Frankfurt im Oktober kann ich auch vergessen, was mich etwas deprimiert. Aber man kann ja nicht alles haben.

    Lady Audleys Secret steht auch auf meiner Klassiker-Leseliste, die die letzten Wochen gefühlt explodiert ist. Und Klassiker sind alle auch noch so hübsch und meistbietend günstig, dass ich alle auf einmal kaufen und lesen will, obwohl ich weder Zeit noch Geld dafür habe. Jetzt habe ich jedenfalls noch mehr Lust auf das Buch, so wie du es beschrieben hast klingt es nach einer richtig guten Lektüre 😀
    Und mit Cat Person machst du mich auch echt neugierig, wäre das Buch nicht so teuer hätte ich mich schon längst nicht mehr zusammenreißen können und es gekauft, aber so warte ich denke ich noch ein wenig. Ich habe diesen Monat nämlich schon wieder mehr Geld für Bücher ausgegeben als ich eigentlich wollte und wir haben erst den 03. Ups?
    Und auf Ein wirklich erstaunliches Ding bin ich auch schon super gespannt, das sollte die Tage bei mir ankommen und ich habe ziemlich durchwachsene Meinungen gehört, was mich aber nur umso neugieriger macht. Außerdem wünsche ich dir zukünftig viel Spaß mit The Vanishing Stair, ich habe das ja letzten Monat als Hörbuch gehört und es war so gut, dass ich kaum zwei Tage dran gehört habe 😀

    Alles Liebe,
    Katharina

    1. Ugh, so was ist ärgerlich. :/ Auch wenn auf Messen eigentlich unterm Strich nicht *so* viel passiert, hat man doch immer das Gefühl, alles Mögliche zu verpassen? (Oder vielleicht geht’s nur mir so.) Auf die FBM werde ich auch nicht gehen, aber vielleicht klappt ja nächstes Jahr die LBM 🙂 Die Messen laufen ja auch nicht weg!
      Ich finde es richtig cool, dass du gerade so viele Klassiker liest, wenn ich mal einen lese, brauche ich danach irgendwie erst mal Pause, aber ja, Lady Audley’s Secret kann ich dir nur empfehlen! 🙂
      Cat Person kommt bestimmt auch irgendwann als Taschenbuch raus 👀 Aber das mit dem Geldausgeben kommt mir nur zu bekannt vor, da freut man sich, die ersten paar Tage des Monats sich beherrscht zu haben und dann zack eskaliert man total 😀
      Da ich mal wieder viel zu spät mit dem Beantworten der Kommentare dran bin – freut mich, dass dir „Ein wirklich erstaunliches Ding“ gefallen hat! Es ist großartig, wenn Bücher zu richtigen Zeit kommen, und das scheint bei dir der Fall zu sein 🙂

      Alles Liebe
      Isabella

  2. Das kommt mir bekannt vor. Während der Prüfungsphase bin ich kaum zum Lesen gekommen bzw hatte nicht den Kopf dafür, jetzt bin ich mitten in der Recherche für die Bachelorarbeit und lese so viel Fachliteratur, dass ich die letzten Wochen nicht wirklich Lust hatte, meine privaten Bücher für mehr als 10 Minuten aufzuschlagen. Ich hoffe, dass sich das wieder ändert, denn ich habe in der Theorie wirklich Lust auf all meine Bücher, aber in der Praxis sieht es dann doch wieder anders aus.
    Deine Kritik über 1984 kann ich gut nachvollziehen, das würde mich heute vermutlich auch mehr stören als es das damals getan hat. Auf „Let’s talk about love“ bin ich aber auch super gespannt, das steht noch mit hoher Priorität auf meiner Wunschliste.
    Ich drücke dir fest die Daumen für deine Hausarbeiten.
    Liebe Grüße!

    1. Oh wow, bei dir geht’s an die Bachelorarbeit – alles Gute dafür! 🙂
      An „Let’s Talk About Love“ denke ich tatsächlich noch regelmäßig zurück, also möchte ich meine Empfehlung einfach noch mal bekräftigen. 😀
      Vielen lieben Dank!
      Alles Liebe
      Isabella

  3. Huhu,

    für deine Prüfungsphase und den ganzen Trubel hast du aber doch ne Menge geschafft, wie ich finde 🙂 . Besonders von deinem Stapel interessiert mich das Buch von Hank Green. Ich habe jetzt schon einige vielversprechende Meinungen dazu gelesen. Werde es mir mal bei Gelegenheit zulegen.

    Toller Beitrag ♥
    Liebste Grüße, Stella

  4. Liebe Isabella,

    puh, I feel u 😩 forderndste Hausarbeitsphase passt bei mir vielleicht nicht ganz, weil ich nur eine schreiben muss, aber bei mir ist dieses Semester auch das, was mich noch am längsten nach seinem eigentlichen Ende beschäftigt und stresst.

    Liest du die Känguru-Chroniken eigentlich oder hörst du sie als Hörbuch? Ich überlege schon so lange, sie zu hören, weil alle auch so speziell von den Hörbüchern schwärmen, aber als ich letztens das erste Mal reingehört habe, war ich alles andere als begeistert, als ich festgestellt habe, dass es Livemitschnitte sind. Das Gelächter im Hintergrund hat mich wahnsinnig gemacht 😬 und ich habe dann doch erstmal wieder Abstand genommen.

    „Let’s Talk About Love“ möchte ich auch lesen seit es letztes Jahr erschienen ist, aber wie du schon sagst, war ist es bei mir in letzter Zeit auch ein bisschen schwierig, was Bücher angeht (diesen Monat ist es aber schon deutlich besser).

    Alles Liebe
    Aileen

    1. Liebe Aileen,

      ugh 🙃 Ich hoffe, du hast das Semester mittlerweile etwas hinter dir lassen können, aber es ist wirklich fies, wenn das so nachklingt. Eines Tages werden wir den Stress unter Kontrolle kriegen!

      Ohhh, ich kann das mit den Hörbüchern so nachvollziehen. 😀 Also, ja, ich lese sie tatsächlich. Ich werde immer ungläubig angeguckt, wenn ich das sage, aber ich habe so viel mehr mitgenommen. Tatsächlich habe ich mal nach dem Lesen wieder in eins der Hörbücher reingehört und fand es dann wesentlich angenehmer, das wäre also auch noch eine Möglichkeit. Persönlich finde ich aber, dass nichts verloren geht, wenn du sie „nur“ liest 🙂

      Ich hoffe, dein März war erholsam(er)!

      Alles Liebe
      Isabella

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