Noch ein Jahresrückblick: Tschüss, 2019!

Ach, 2019. Von der Struktur her war es ein bisschen wie 2018 – einen Großteil des Jahres über ganz okay bis sehr gut, und dann in den letzten Monaten ziemlich schwierig; grob gesagt bin ich immer wieder krank geworden, die Ursache konnte bisher nicht ausgemacht werden und daher ist auch nicht absehbar, wann es denn vollkommen überwunden sein wird. Wenn ich nun an 2019 zurückdenke, habe ich daher überwiegend das Gefühl, dass es ziemlich mies war. Subjektive Eindrücke und verzerrte Gedanken und so.

Sowohl was das Privat- als auch was das Unileben (fünf Hausarbeiten und ein erster Entwurf meiner Bachelorarbeit – insgesamt 115 geschriebene Seiten) anbetrifft, war 2019 sehr intensiv, weswegen auf dem Blog „nur“ fünfzehn Beiträge erschienen sind. Ich hoffe, das in 2020 zu ändern, wenn auch nicht, um irgendwelche Statistiken hochzuziehen, sondern weil ich immer wieder merke, wie gut mir das Bloggen, auch das Instagrammen, einfach der Austausch mit anderen Leser_innen im Allgemeinen tut. Von diesen fünfzehn Beiträgen liegen mir nach wie vor einige sehr am Herzen, was mich freut, so zum Beispiel meine Rezensionen zu Freiraum und Die drei Leben der Hannah Arendt oder meine Gedankenergüsse über Karl Ove Knausgård und Bertolt Brecht.

Zusätzlich zu all dem war auch mein Lesejahr eher … unterwältigend. Dass ich mit 56 Büchern so wenig gelesen habe wie seit 2015 nicht, stört mich nicht – viel mehr allerdings das Gefühl, dass ein Großteil der Bücher einfach ‚okay‘ gewesen ist und dass mir kaum etwas im Gedächtnis geblieben ist. Wie üblich habe ich mein Lesejahr in ein paar Statistiken aufgedröselt in der Hoffnung, dass das etwas Licht ins Dunkle bringt.

Gleich mal ein Paradox zu Beginn: Die gelesenen Bücher habe ich durchschnittlich mit 3,7 Sternen bewertet, was eigentlich gar nicht so schlecht scheint – nur habe ich beinahe die Hälfte mit 3 Sternen bewertet und kaum 5 Sterne-Bücher dabei gehabt.

Ich glaube nicht, dass ich zwangsweise schlechtere Bücher gelesen habe; es spielt gewiss auch mit rein, dass ich strenger bewerte und kaum noch volle fünf Sterne vergebe. Gleichzeitig habe ich auch rückblickend mehrmals das Gefühl, zu großzügig mit drei Sternen umgegangen zu sein – ich muss mich definitiv noch mehr trauen, Büchern öfter mal zwei Sterne zu geben, so schräg wie das klingt. Was ich mit Sicherheit sagen kann: Mein altes Bewertungs-Problem besteht nach wie vor.

Als ich das Genre-Diagramm erstellte, war ich selbst überrascht, wie viel sich geändert hat. Während ich letztes Jahr noch 55% YA gelesen hatte, sind es dieses Jahr unter 20%, und wo Adult Fiction (ein sehr weit gefasster Begriff, ich weiß) letztes Jahr noch bei 18% dümpelte, macht es dieses Jahr die Hälfte meiner gelesenen Bücher aus.

Wow. Ich hatte die Verschiebung natürlich erahnt, aber dass es dann so wenig YA wurde (elf Bücher, davon ein Reread), hatte ich nicht erwartet. Dabei handelt es sich vermutlich auch um die größte Veränderung in meinem Leseleben – und ich weiß immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll, und nicht einmal richtig, wie ich es in Worte fassen soll.

Zuallererst hatte ich weniger Young Adult gelesen, weil ich einfach übersättigt von dem Genre war, von dem ich mehrere Hundert Bücher gelesen hatte. Belletristik erschien mir da verlockend – eine ganze Welt, von der ich kaum was kannte und die mir mit einem Mal offen zu stehen schien. Und auch wenn ich dieses Jahr einige gute Romane gelesen habe, bin ich doch nicht recht zufrieden damit, denn es gab auch eine Handvoll, zu der ich nur schwer einen Zugang gefunden habe – was für mich als Germanistik-Studentin kein Problem darstellen sollte, aber während ich für die Uni-Lektüren mir Zeit nehme(n muss) und auch Sekundärliteratur heranziehen kann, kann es bei der Gegenwartsliteratur schnell passieren, dass man in der Luft hängen bleibt und sich verzweifelt durch Rezensionen wühlt. Schlimmer noch: Bei manchen Romanen konnte ich mir fast den Eindruck nicht verkneifen, dass die Autor_innen selbst nicht mehr so recht wussten, was sie denn sagen wollten.

Weil ich den Vergleich nicht überstürzen wollte, habe ich noch eine weitere Statistik gemacht, die die Wertungen der beiden Kategorien vergleicht. Die Young Adult-Romane habe ich minimal besser im Durchschnitt bewertet, doch auch hier gibt es ein großes drei Sterne-Feld, allerdings keinerlei niedrigere Bewertungen.

Ich muss gestehen, dass ich unsicher bin, welche Konsequenzen ich daraus ziehen möchte. Weniger, dafür gezielter Belletristik lesen? Vielleicht mehr Autor_innen, die ich schon kennen- und lieben gelernt habe? Und insbesondere Belletristik mehr ausleihen, weil Bücher teurer werden, wenn sie „für Erwachsene“ sind, aber nicht unbedingt besser? (Entschuldigt den Zynismus.)

Überhaupt nehme ich mir für 2020 vor, weniger Bücher zu kaufen. Haha.

Nein, im Ernst: Da ich mir seit letztem Jahr auch die Neuzugänge im BuJo notiere, weiß ich, dass ich 2019 siebzehn Bücher mehr erworben als gelesen habe. Und da mir der Platz ausgeht (vielleicht lerne ich in 2020 endlich, radikal auszumisten?), sollte ich mein Kaufverhalten bremsen oder wenigstens (für mein Gewissen) mehr lesen als ich kaufe. Aber zu der letzten Statistik:

Ehrlich gesagt war ich auch hier ein bisschen ernüchtert, weil ich vor zwei Jahren noch überwiegend auf Englisch gelesen habe, die Anzahl der gelesenen englischen Büchern aber seit letztem Jahr abgenommen hat und sie sich nun in der Minderheit befinden. Zumindest kann ich hier einen Zusammenhang zwischen belletristischen Romanen, wo ich mich überwiegend in der deutschen Gegenwartsliteratur bewegt habe, und der Veränderung in den Gewichtungen herstellen. Dennoch fehlt mir das englische Lesen immens und ich hoffe, dort in 2020 ebenfalls wieder für etwas mehr Ausgleich sorgen zu können.

Gegen Ende 2019 kam nämlich auch meine Lust auf Young Adult verstärkt zurück, weswegen es mir doch Mut macht, ein ausgeglicheneres Lesejahr in 2020 zu haben. Gerne möchte ich bewusster lesen, mehr mitnehmen, wählerischer sein und nicht bei eBook-Angeboten für 99 Cent zuschlagen, nur, weil ich das Buch schnell durchlesen kann und hoffe, mich für ein Genre zu begeistern, das mir doch einfach nicht liegt (looking at you, romance).

Bevor ich noch länger meine Visionen für 2020 ausbreite (der Beitrag ist ohnehin schon viel zu lang), möchte ich aber noch kurz die Bücher erwähnen, die mir dieses Jahr nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind, ganz gleich, ob ich ihnen vier oder fünf Sterne gegeben habe:

  • Everything Under von Daisy Johnson ist ein unglaublich komplexes Buch, das mir jede Gehirnzelle abgefordert und gleichzeitig so viel zurückgegeben hat. Ich habe nicht annähernd alle versteckten Hinweise in diesem Buch gefunden, denke aber immer wieder an die lyrische Sprache und die einzigartige Atmosphäre zurück.
  • Kiersten Whites The Dark Descent of Elizabeth Frankenstein ist nicht nur ein gelungenes Frankenstein-Retelling aus Elizabeths Perspektive, sondern hat mich ausgiebig über Retellings im Allgemeinen nachdenken lassen – dazu (hoffentlich) mehr in einem zukünftigen Beitrag.
  • Schäfchen im Trockenen von Anke Stelling hat meiner Meinung nach vollkommen berechtigt den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Eine unzuverlässige Erzählerin, intertextuelle Verweise, die man mitnehmen kann, aber nicht mitnehmen muss, eine gelungene Mischung aus Belustigung und Wut. Auch hier folgt hoffentlich noch eine ausführlichere Rezension.
  • Über Svenja Gräfens Freiraum und R.F. Kuangs The Poppy War habe ich schon ausführlich geschrieben – ganz große Liebe.

Neben den Lese’zielen‘, die ich schon oben verraten habe, möchte ich 2020 in erster Linie mehr auf mich achtgeben und gesund werden (und bleiben). Ebenfalls möchte ich meine Kreativität wieder etwas zum Leben erwecken und in Blogposts, Instagram-Bildern und einem Schreibprojekt auslassen. Während ich im Januar erst einmal noch meine Bachelorarbeit abgeben muss (die ich, Fun Fact, über eines der Bücher in diesem Beitrag geschrieben habe), sollte das kommende Semester weniger Unistress für mich beinhalten und es mir hoffentlich einfacher machen, ein wenig mehr Ausgeglichenheit im Alltag zu schaffen.

Aber genug von meiner Seite. Ich hoffe, dass wir uns in diesem Jahr öfter sehen, versuche aber vor allem zu geloben, regelmäßig(er) auf Kommentare, Tweets etc. zu antworten oder selbst mehr Austausch zu initiieren. Auch wenn ich nie in die Tiefen dieser Buch-Community geraten bin, bedeutet sie mir dennoch ungemein viel, und es wird Zeit, das auch mal zu kommunizieren.

So, und nun verratet mir: Wie war euer (Lese)Jahr 2019? 👩🏼‍💻

5 Kommentare

  1. Sehr fanfiction-lastig.
    Habe Ao3 entdeckt, und bin seit dem noch viel ungnädiger mit dem, was mir der Buchmarkt so serviert.

    Bin gespannt, was uns nächstes Jahr so vor die Nase kommt!

  2. Als erstes wünsche ich dir mal gute Besserung und hoffe, dass du in nächster Zeit gesund bleibst! Mich würde es außerdem freuen, wenn man wieder mehr von dir liest und mich interessiert brennend, was das Thema deiner Bachelorarbeit ist, wenn du das verraten magst 🙂
    Mir ging es dieses Jahr ähnlich wie dir und ich hatte das Gefühl, nur wenige gute Bücher gelesen zu haben, obwohl meine durchschnittliche Bewertung sich im gleichen Bereich bewegt wie deine. Mir fällt es allerdings auch schwer, zeitlich einzuordnen, welche Bücher ich wann gelesen habe, denn manche meine Highlights hätte ich eher ins letzte Jahr einsortiert.
    Ich habe auch viel weniger auf englisch gelesen und weiß nicht ob das damit in Verbindung zu bringen ist, dass mein Anglistik-Studium zu Ende ist oder damit, dass ich viel die Bücherei genutzt habe und da einfach mehr deutsche Bücher zur Auswahl stehen. So oder so, das möchte ich dieses Jahr auch wieder ändern, weil ich das richtig gerne mache.
    Ich hoffe, dass das Jahr so läuft wie du es dir erhoffst und wünsche dir noch ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüße
    Jacqueline

    1. Liebe Jacqueline,

      vielen lieben Dank für deine Besserungswünsche und dein Interesse an dem Blog! ☺️ Ich bin unglaublich schlecht darin, mein BA-Thema zusammenzufassen – grob gesagt habe ich Svenja Gräfens Freiraum auf auf die Darstellung von ‚Stadt‘ und ‚Land‘ und damit auf einer abstrakteren Ebene die Räume im Roman untersucht, um zu schauen, wie die Figuren auf die Räume einwirken und die Räume auf die Figuren (daran wird bspw. ersichtlich, wie sich Machtverhältnisse im Raum manifestieren etc.). Ich hoffe, das macht irgendwie Sinn. 🙈
      Schade, dass du auch eher so ein „Meh“-Jahr hattest. 😬 Diese Schwierigkeit der zeitlichen Einordnung kenne ich auch nur zu gut – gerade die Bücher, die ich in den ersten Monaten des Jahres gelesen habe, fühlen sich schon immer unendlich weit weg an, wenn das Jahr dann vorbei ist.
      Ja, ich vermisse es auch, auf Englisch zu lesen. Vielleicht schaffen wir das ja beide mehr in 2020. 🙂 Obwohl ich es auch lobenswert finde, dass du die Bücherei so aktiv nutzt. Ich bin einfach selten zufrieden mit dem Angebot der Büchereien und sehe nicht, dass sich das in der Zukunft ändern wird. 🙈 Auch die Verbindung mit dem Anglistik-Studium ist interessant (ich bin mit meinem Anglistik-Nebenfach auch seit Anfang 2019 fertig), obwohl ich eher glaube, dass ich es daher umso mehr vermisse, auf Englisch zu lesen. 😀
      Dankeschön, ich wünsche dir auch alles Gute für 2020!

      Alles Liebe
      Isabella

      1. Hui, das klingt anspruchsvoll, aber richtig interessant! Ich wünsche dir noch viel Erfolg dabei!

        Gut zu hören, dass du das nachvollziehen kannst und ich nicht allein die Kontrolle über mein Zeitgefühl verloren habe 😀

        Stimmt, alles gibts da ja leider nicht und auch nicht alles was ich lesen möchte, aber die Auswahl ist so groß, dass mir die Bücher dort in nächster Zeit sicher nicht ausgehen werden. Gerade im Belletristik Bereich weckt vieles mein Interesse, aber ich bin noch nicht sicher genug in dem Genre um einschätzen zu können, was mir wirklich gefallen könnte und darum zögere ich da eher, Geld dafür auszugeben. Da ist es dann perfekt, wenn ich sie leihen kann. „Freiraum“ ist bestimmt auch bald dran, das habe ich mir die Tage auf die Merkliste fürs nächste Mal gepackt 🙂

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