Die drei Leben der Hannah Arendt von Ken Krimstein

Das mit Arendt und mir war purer Zufall: Letztes Semester hatte ich ein Seminar, das sich mit Repräsentationen des Bösen auseinandersetzte, und für eine Stunde hatte der Dozent ein Kapitel aus Arendts Elementen und Ursprüngen totaler Herrschaft (1951; dt. 1955) vorgesehen. Der Text beeindruckte mich ungemein – die Präzision, mit der sie schrieb, die Aktualität ihrer Worte -, und noch vor Ende des Semesters hatte ich Die Freiheit, frei zu sein (ca. 1963; dt. 2018 posth.) gelesen und Über das Böse (1965; dt. 2006 posth.) noch dazu. Arendt ließ mich nicht mehr los. Egal, was ich von ihr las, ich war immer wieder auf ein Neues überrascht, wie zugänglich ihre Worte doch waren. Dass sie sich nicht in Abstraktionen verloren, sondern ich tatsächlich etwas für meine Gegenwart daraus gewinnen konnte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Als ich hörte, dass dtv eine Graphic Novel zu Hannah Arendt publizieren würde, war ich ziemlich aus dem Häuschen.

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Kurzrezensionen #14: Unerwähntes – Young Adult Edition

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich in den letzten Monaten wenig bis gar nichts auf dem Blog gepostet. Gelesen habe ich dennoch das ein oder andere Buch, vor allem auch das ein oder andere gute Buch. 😉 Daher möchte ich gerne nachträglich in diesen Kurzrezensionen (ein zweiter Teil wird folgen) Empfehlungen nachholen, die ich nicht zeitnah teilen konnte. Darf ich vorstellen: Tausend Nächte aus Sand und Feuer, The Places I’ve Cried in Public und The Vanishing Stair.

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Schönes neues England von Sam Byers


Edmundsbury ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos: In einer Post-Brexit-Welt treiben dort skrupellose Unternehmen ihr Unwesen, rechte Politiker verfolgen ihre Agenda und Journalisten versuchen, mit der gnadenlosen Digitalisierung mitzuhalten – egal, um welchen Preis. Es dauert nicht lange, bis die bisher unschuldig wirkende Stadt von Brandherden gespickt ist …

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The Poppy War von R.F. Kuang

Die Waise Rin wurde jahrelang von ihrer Pflegefamilie für den Opiumhandel eingespannt und soll nun verheiratet werden, um weiterhin von größtmöglichem Nutzen zu sein. Ihr einziger Ausweg besteht darin, einen Test zu bestehen, für den andere ihr Leben lang lernen, und daraufhin an die Sinegard Academy zu kommen – die prestigereichste Militärschule in ganz Nikara. Rin schafft es an die Academy – doch der wahre Test beginnt erst danach …

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Brecht und Feminismus? Eine Aneignung

Bewertet man bei der Werklektüre die Autor_innen mit oder nicht? Bei mir und Brecht war das so ein bisschen ein Wechselspiel, ich las mehr von seinen Werken, ich lernte mehr über ihn, ich las mehr von seinen Werken, lernte mehr über ihn, und so weiter, und so weiter.

Natürlich versuche ich hier, keine allgemeingültige Lösung für Verletzendes und Problematisches in Klassikern anzubieten. Ganz egal, in welchem historischen Kontext die Werke verfasst wurden – das ist eine Erklärung, keine Entschuldigung, und manchmal genügt eine andere Lesart nicht.

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